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„Ein verantwortungsvoller Konsum braucht Information, braucht Aufklärung.“

Veröffentlicht am 01.02.2023 in Reden/Artikel

Rede anlässlich des Parlamentarischen Abends der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg

Sehr geehrte Frau Tausch,
sehr geehrter Herr Dr. Bullinger,
sehr geehrter Herr Staatssekretär Dr. Rapp,
verehrte Kolleg*innen aus den Fraktionen sowie aus dem Ministerium für den Ländlichen Raum und Verbraucherschutz,
sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Gäste,

es ist mir eine Ehre, Sie hier heute im Namen des Landtags von Baden-Württemberg zu diesem Parlamentarischen Abend in den Räumlichkeiten des Württembergischen Kunstvereins zu begrüßen. Und ich möchte als allererstes meinen Dank an die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg für die Initiative und die Einladung zu diesem Parlamentarischen Abend und diesem wichtigen Thema ausdrücken.

Greenwashing und Transparenz – wie funktioniert nachhaltiger Konsum (nicht)? So ist der heutige Abend überschrieben.

Und vielleicht ging es vielen von Ihnen so wie mir: Als ich den Titel des heutigen Abends las, fiel mir sofort auf, wie präsent das Thema Nachhaltigkeit und Konsum mittlerweile ist. Wir streifen durch den Supermarkt und finden auf den allermeisten Produkten Hinweise oder Gütesiegel, die uns klarmachen: Mich kannst du völlig ruhigen Gewissens kaufen, denn ich bin nachhaltig. Das Duschgel in der biologisch abbaubaren, vielleicht gar nachfüllbaren Flasche; die Zahnpastatube, die in einer Pappschachtel aus recyceltem Altpapier steckt; und kürzlich begegnete mir gar ein Fernsehspot eines Kreuzfahrtanbieters, der zwar immerhin nicht behauptete, dass Kreuzfahrten bisher besonders nachhaltig seien, der aber deutlich machte: Wir stellen uns diesen Fragen, wir arbeiten daran, wir nehmen auch als Unternehmen unsere Verantwortung wahr. Und wieder die Streicheleinheit fürs Gewissen: Sie können ganz beruhigt buchen.

Es ist ja zunächst einmal eine sehr positive Entwicklung, dass die Themen Ökologie und nachhaltiger Konsum, die Sorge und Verantwortung für unsere Umwelt und unsere Ressourcen ganz offenbar an Bedeutung gewonnen haben. Es gibt wahrscheinlich kaum noch Unternehmen, die sich nicht mit Fragen der Nachhaltigkeit beschäftigen. Und das ist gut so!

Und trotzdem stellt das die Verbraucherinnen und Verbraucher ja auch vor eine große Herausforderung: Es ist nämlich wirklich einfach – und hier spreche ich durchaus auch aus eigener Erfahrung – die diversen Nachhaltigkeitsversprechen einfach hinzunehmen und ganz beruhigt den Einkaufswagen oder den virtuellen Warenkorb weiter zu füllen. Ich konsumiere nachhaltig, steht ja schließlich drauf… Und doch haben wir als Verbraucherinnen ja meist zumindest eine diffuse Ahnung, dass wir es uns deutlich zu einfach machen würden, die Nachhaltigkeitsversprechen immer und vollständig für bare Münze zu nehmen. Die Duschgel-Flasche, die nicht verrät, ob sie in 1 oder in 100 Jahren biologisch abgebaut sein wird; die Zahnpastatube, von der man sich dann doch fragt, warum sie eigentlich überhaupt noch in einer zusätzlichen Verpackung stecken muss; oder die Kreuzfahrt als vielleicht offensichtlichstes Beispiel, dass an dem Versprechen von Nachhaltigkeit Zweifel zumindest angebracht sind.

Um das ganz klar zu sagen: Es ist eine gute Sache, dass nachhaltiger Konsum offensichtlich ein präsentes Thema geworden ist. Und es ist richtig, wenn Wirtschaft und Unternehmen hier ihren ehrlichen Beitrag leisten. Und das tun ja auch viele. Aber wir sehen an den Beispielen auch, dass es immer notwendig ist, zu hinterfragen, warum ein Unternehmen, eine Werbekampagne, ein Produkt sich Nachhaltigkeit auf die Fahne schreibt. Das Ziel nachhaltigen Konsums darf nicht eine reine Imagekampagne sein. Es besteht die Gefahr, dass der Verweis auf Nachhaltigkeit gerade nicht den nachhaltigen – also auch begrenzten Konsum – fördert, sondern gerade zu noch mehr Konsum anregt, weil eben das Gewissen scheinbar beruhigt sein kann.

Hinzu kommt eine kaum zu überblickende Vielfalt an Siegeln und Labels, die es Verbraucher*innen erschweren, wirklich bewusste Konsumentscheidungen zu treffen. Die dabei entstehende Gefahr, ist dabei zweierlei: Zum einen ist es für Verbraucher*innen also einfach sehr schwierig, auf nachhaltigen Konsum zu achten, auch wenn sie sich bewusst dazu entschlossen haben. Zum anderen aber birgt das eine weitere Gefahr: Nämlich die eines grundsätzlichen Vertrauensverlusts. Wenn z.B. ein Siegel, das Nachhaltigkeit verspricht als reines Marketing entlarvt wird, geht Vertrauen nicht nur in dieses Siegel oder ein dahinterstehendes Unternehmen verloren. Sondern auch Vertrauen in staatliche Strukturen, wenn sie nicht in Lage sind, Verbraucher*innen in einer unübersichtlichen Situation vor Irreführung effektiv zu schützen.

In genau dieser Situation spielen Sie als Verbraucherzentralen eine extrem wichtige Rolle: Ihre Arbeit macht es uns Verbraucher*innen leichter, uns zurechtzufinden, zu orientieren und bewusster, informierter zu entscheiden, wo Nachhaltigkeit mehr Verkaufsmasche, denn echtes Ziel ist. Und wo es wirklich um verantwortungsvollen Konsum und ressourcenschonende Produktion geht.

Dieser verantwortungsvolle Konsum braucht verlässliche Information, braucht Aufklärung, braucht auch Bildungs- und Sensibilisierungsangebote auch bereits für junge Verbraucherinnen und Verbraucher.

Hierzu leisten Sie als Verbraucherzentrale einen wichtigen und unschätzbaren Beitrag. Und es gibt darüber hinaus natürlich noch viele weitere Bereiche, in denen Ihre Arbeit und auch Beratungsangebote einen echten Mehrwert und Unterschied für Verbraucher*innen machen: Abos und Vertragsabschlüsse, Beratungen im Bereich von Energie, Telekommunikation, Versicherungen und Finanzen, um nur einige zu nennen. Die Themen sind vielfältig. Und Ihre Tätigkeit – und das ist mir auch als Vizepräsident unseres Landesparlaments besonders wichtig – bedeutet einen wichtigen Beitrag zur Stärkung unserer Demokratie: Denn die Demokratie funktioniert nur dann, wenn die Menschen Vertrauen haben. Und wo Menschen die Erfahrung machen, dass ihre Rechte als Verbraucher*innen in einem Staat nicht ausreichend geschützt sind, verlieren sie Vertrauen. Wenn Menschen das Gefühl haben, in ihrem ehrlichen Ansinnen, nachhaltiger konsumieren zu wollen, allein gelassen zu sein und allzu leicht zum Spielball von Marketing und hübschen Imagekampagnen zu werden, verlieren sie Vertrauen.

Dem entgegenzuwirken ist der Verdienst von Verbraucherzentralen und es ist die gemeinsame Aufgabe von Politik und allen Akteurinnen und Akteuren im Feld des Verbraucherschutzes. Ich freue mich deshalb sehr auf diesen gemeinsamen Abend und den wichtigen Austausch. Lassen Sie uns auch künftig als Politik und Verbraucherzentralen gut zusammenarbeiten für eine gute, soziale und wirksame Verbraucherpolitik. Vielen Dank!

Es gilt das gesprochene Wort.

Homepage Daniel Born MdL

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