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Dr. Mentrup in den BNN Ettlingen zur neuen Schulpolitik

Veröffentlicht am 21.04.2011 in Presseecho

Dr. Mentrup: „Wir wollen keine Schul-Revolution von oben“

Interview Wolfgang Voigts mit dem bildungspolitischen Experten der SPD-Landtagsfraktion des in den Badischen Neuen Nachrichten vom 20. April 2011

Der SPD-Bildungsexperte Frank Mentrup setzt auf Alternativen zum dreigliedrigen System

Die größten Unterschiede zwischen der bisherigen Koalitionsregierung aus CDU und FDP und dem angehenden grün-roten Bündnis gibt es in der Bildungspolitik: Während das bürgerliche Bündnis das dreigliedrige Schulsystem hochgehalten hat, setzen der designierte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und SPD-Chef Nils Schmid auf die Gemeinschaftsschule. BNN-Redakteur Wolfgang Voigt hat darüber mit dem Bildungsexperten der SPD-Landtagsfraktion, Frank Mentrup (Ettlingen), gesprochen.

Viele Bürger haben sich bei der Landtagswahl für Grün-Rot entschieden, obwohl sie eigentlich am dreigliedrigen Schulsystem festhalten wollen. Wie geht die neue Landesregierung damit um?

Mentrup: Wir wollen keine Revolution von oben sondern eine Evolution von unten, die zusätzliche Angebote im staatlichen Schulwesen schafft. Es geht darum, moderne pädagogische Konzepte und internationale Erfahrungen einzubringen. Damit gäbe es auch im staatlichen Schulwesen die Alternative des längeren gemeinsamen Lernens gegenüber der Dreigliedrigkeit Wir werden sehen, was sich dann durchsetzt.

Sie wollen also dem möglichen Zorn der Eltern angesichts geänderter Schulstrukturen entgehen und verhindern, dass man der neuen Regierung den Vorwurf macht, Kinder als Versuchskaninchen zu missbrauchen?

Mentrup: Es geht weder um Versuchskaninchen noch darum, die Schulstrukturen in ihrer Gänze ändern zu wollen. Es geht vielmehr darum, Alternativen zum dreigliedrigen Schulsystem in unserem staatlichen Schulwesen anzubieten. Schulträger, Eltern und Schulen können sich überlegen, ob sie – etwa um ihren Schulstandort bei zurückgehenden Schülerzahlen zu halten – ein solches Konzept annehmen.

Was muss kurz- bis mittelfristig im Schulwesen geschehen?

Mentrup: Wir müssen die Unterrichtsversorgung endlich in den Griff bekommen: Ich habe den Eindruck, man sollte die gesamte Personal-Organisation im Schulbereich auf den Prüfstand stellen. Außerdem wollen wir der Grundschulempfehlung die Verbindlichkeit nehmen. So können wir den Druck aus der Grundschule herausnehmen, der sich ja nur noch an den Abschlussnoten der Kernfächer orientiert. Vor allem aber wollen wir in sämtlichen Schularten die Kultur so fortentwickeln, dass das einzelne Kind im Mittelpunkt steht und nicht die Organisation des Schulalltags.

Nach ersten Äußerungen von Winfried Kretschmann zur möglichen Einsparung von Lehrerstellen hat es bereits Entrüstung gegeben. Müssen Eltern befürchten, dass bei Lehrern gespart wird?

Mentrup: Nein, überhaupt nicht. Wir werden zunächst die Qualität der Bildung auf den Stand bringen, den wir seit Jahren als Opposition gefordert haben. Das erfordert im frühkindlichen Bereich und bei der Inklusion zunächst zusätzliche Mittel. Einiges davon dürfte im Lauf der Zeit durch zurückgehende Schülerzahlen finanziert werden können. Ich gehe davon aus, dass wir bis 2016 alle Mittel im Bildungsbereich brauchen, um die angestrebte Qualität zu erreichen.

Wie geht die künftige Landesregierung mit der Genehmigung von Schulversuchen um?

Mentrup: Das Problem der bisherigen Regierung war, dass man innovative Schulkonzepte nicht genehmigt hat. Einen Grund dafür gab es nicht, denn im Schulgesetz gibt es diesen Modellschul-Paragrafen. Wir werden innovative Schulkonzepte begrüßen, da sie immer eine Anregung für die Fortentwicklung des Bestehenden sind. Das Bessere ist immer der Feind des Guten und hilft der Profilierung aller. Deshalb werden wir wesentlich bereiter sein, gute neue Konzepte umzusetzen.

Was bedeutet das für die in Karlsruhe geplante Stadtteilschule?

Mentrup: Diese Schule würde in unser Konzept der Gemeinschaftsschule passen. Wenn wir die Gemeinschaftsschule im Schulkonzept verankert haben, muss diese Stadtteilschule keine Modellschule mehr werden. Sie könnte dann als reguläre Schule genehmigt werden.

Wie geht es mit den Beruflichen Gymnasien weiter?

Mentrup: Die Beruflichen Gymnasien haben einen Stellenwert, der sie mit den allgemein bildenden Gymnasien gleichsetzt. Damit ist es selbstverständlich, dass jeder, der die Voraussetzungen erfüllt, dort auch einen Platz bekommen muss. Es wird eine Aufgabe der neuen Regierung sein, für diese Plätze zu sorgen.

Die Kultusbürokratie steht im Ruf, wenig flexibel zu sein. Wie soll es gelingen, den Apparat bei den anstehenden Innovationen mitzunehmen?

Mentrup: Ich bin mir sehr sicher, dass es allen Menschen besser gefällt, in einer positiven Atmosphäre notwendige Entwicklungen zu befördern als immer nur die Institution zu sein, die Ablehnungsbescheide schreibt. Die Kultusbürokratie soll in Zukunft Qualität sichern und alle Beteiligten vor Ort konstruktiv unterstützen und fachlich begleiten.

Werden Sie persönlich in Zukunft dazu beitragen können?

Mentrup: Das personelle Konzept der neuen Landesregierung wird am Ende der Koalitionsverhandlungen entwickelt.

Homepage Dr. Frank Mentrup MdL

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