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Die „Himmelskugel“ soll weg

Veröffentlicht am 15.05.2015 in Presseecho

Kulturpolitik: Einsturzgefahr – Kunstverein will das Schwemmholz-Werk auf dem Carl-Reiss-Platz in Papier verwandeln

 
 
 
 
 

Im Juni 2014 verstorben: der Künstler und Mediziner Dr. Mo Edoga.

 
 
 

"Nicht geeignet, ewige Zeit durchzuhalten": Die "Himmelskugel" auf dem Carl-Reiss-Platz soll entfernt werden, rechts unten ein Bild von 2005.

© Prosswitz

"Die Stadt ist gefordert und gefährdet!" Auf diesen Punkt brachte es Dr. Rainer Preusche, Ehrenvorsitzender des Kunstvereins. In seiner Ära entstand hinter dem Ausstellungspavillon auf dem Carl-Reiß-Platz die "Himmelskugel" genannte Plastik aus Schwemmholz von Dr. Mo Edoga. Doch nun soll sie weg - aus Sicherheitsgründen. Ein Konzept dazu hat der Kunstverein dem Kulturausschuss des Gemeinderats vorgestellt, der es einhellig billigte.

Das riesige Werk entstand aus einer zunächst kleinen "Himmelskugel", die der Künstler nach seiner Beteiligung an der "Documenta" dem Kunstverein für seinen Innenhof übergeben hatte. Doch das Objekt wuchs immer mehr, war zu Beginn der 1980er Jahre Gegenstand eines kommunalpolitischen Streits. Irgendwann hatte Edoga einfach ohne jegliche Genehmigung begonnen, ständig immer mehr Schwemmhölzer, Zweige und Äste auf der Wiese hinter dem Kunstverein aufzuschichten, diese mit Paketband und Kabelbinder zu verknüpfen (das bezeichnete er als "Ariadnefäden").

Eigentumsrechte unklar

2005 übergab Edoga das mehr als acht Meter hohe Werk, wie er sagte als "Geschenk zum Stadtjubiläum", an den damaligen Oberbürgermeister Gerhard Widder sowie den seinerzeitigen Kulturdezernenten Dr. Peter Kurz. Die Stadt zog - aus Sicherheitsgründen - einen Zaun. Der Künstler arbeitete aber ständig weiter daran, ergänzte da einen Ast, schichte dort Hölzer auf, band sie mal so und wieder anders zusammen - bis kurz vor seinem Tod im Juni 2014 wurde er dort gesehen.

"Seither fällt es immer mehr zusammen, es ist optisch unschön und nicht ungefährlich", so Dr. Andreas Notz, Rechtsanwalt und Vorsitzender des Kunstvereins. Von einer Kugel könne man "schon lange nicht mehr sprechen", im Holz knacke es und man laufe Gefahr, "dass das demnächst zusammenkracht und dann nur noch entsorgt werden kann", so Notz. Von einem "beklagenswerten Zustand" sprach auch Dr. Martin Stather, der Ausstellungsleiter des Kunstvereins. Das Werk sei "nicht geeignet, ewige Zeit durchzuhalten", ergänzte Preusche: Anfangs habe es ohne Zweifel bundesweit Aufsehen erregt und sei ein bemerkenswertes Kunstobjekt gewesen, langsam werde es jedoch gefährlich.

Dabei ist ungeklärt, wem das Werk überhaupt gehört - und wer damit die Verantwortung trägt. "Dem Kunstverein gehört es nicht", betont Notz. Die Witwe des Künstlers sieht sich nicht als Erbin, weil Edoga die Holzkugel ja offiziell der Stadt geschenkt habe. Darüber berichtete damals zwar der "MM", einen "Vorgang", so Kulturbürgermeister Michael Grötsch jetzt im Kulturausschuss, gebe es darüber aber nicht. "Zur Gefahrenabwehr würden wir aber einschreiten müssen", erklärte der Bürgermeister. Doch weder er noch der Kunstverein wollen es soweit kommen lassen.

Dazu präsentierte der Kunstverein den Stadträten eine Idee. Dabei gehe es "nicht darum, das Werk loszuwerden oder zu entsorgen, sondern in einen neuen Zustand zu transformieren", erklärte Stather.

Der Kunstverein schlägt vor, die Kugel abzubauen, die Äste zu zersäge und aus dem Holz kunstvolles Papier zu fertigen - handgeschöpft, vielleicht in der historischen Anlage im Technoseum. So könne das Kunstwerk "auf besondere Art weiterleben", erklärte Notz: "Wir machen etwas Neues, statt es dem Verfall preiszugeben!" Es werde "in einen anderen Zustand zurückgeführt", beschrieb es Preusche. Die Musiker Erwin Ditzner und Claus Boesser-Ferrari seien bereit, zum Abbau der Kugel und zu Ehren von Edoga ein "musikalisches Event" zu gestalten, teilte Stather mit.

"Sehr gut" fanden nicht allein Bürgermeister Grötsch und ML-Stadtrat Prof. Dr. Achim Weizel die Idee, auch bei anderen Stadträten stieß sie auf großen Beifall. "Genial" lobte Helen Heberer (SPD), "sehr originell" ihre Kollegin Dr. Heidrun Kämper, "richtig toll" Dr. Adelheid Weiss (CDU) und von einer "bestechenden Idee" sprach Dr. Gerhard Schäffner (AfD): "Das würde Edoga gefallen", war er überzeugt. "So wird das Werk nicht zerstört", so Kämper.

© Mannheimer Morgen, Freitag, 15.05.2015

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