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Die Freitagspost: Wir sollten ab und an prüfen: Schlägt unser Herz noch für was ganz Besonderes?

Veröffentlicht am 19.12.2025 in Woche für Woche

Was ist das am häufigsten gespielte Weihnachtslied? Diese Frage habe ich in meiner Rede bei der AWO-Weihnachtsfeier in Schwetzingen aufgeworfen. Und mir dann ein paar Gedanken dazu gemacht. Hier noch einmal der Auszug meiner Rede – mit einer Antwort auf die Frage.

… und darum begrüße ich auch die Stadtkapelle hier ganz herzlich. Als sie in diesem Jahr Jubiläum gefeiert hat – und sozusagen das Lutherhaus wortwörtlich einmal um 180 Grad drehte – da sagte ich der Zeitung: Die Stadtkapelle liefert den Soundtrack zu unserem Leben in dieser wunderschönen und außergewöhnlichen Stadt. Ich ergänze: Natürlich auch den Soundtrack zum Weihnachten in dieser Stadt. Apropos Soundtrack: Wissen Sie, was das meistgespielte Weihnachtslied in Deutschland ist? Nicht „Stille Nacht“, nicht „Ale Jahre wieder“, auch nicht „Die Weihnachtsbäckerei“. Es ist „Last Christmas“ von Wham. Und es stimmt, man hört es ja wirklich überall. Seit 1984. Darum gibt es jedes Jahr auch ganz viele kluge Artikel im Feuilleton, die darüber sinnieren, dass das ja eigentlich kein Weihnachtslied sei. Es ginge viel mehr um eine enttäuschte Liebe von George Michael. Aber das Lied könnte genauso gut „Last Easter“ oder „Last Tuesday“ heißen.

Mir ist aufgefallen, dass es in „Last Christmas“ eine Zeile gibt, die ganz perfekt zu Weihnachten passt: „Letztes Weihnachten hab‘ ich Dir mein Herz gegeben – aber Du hast es einfach weggeworfen. Dieses Jahr – damit ich nicht wieder traurig bin – gebe ich es an jemand ganz Besonderen.“

Erstens lernen wir dabei: Zwischen zwei Weihnachten kann viel passieren. Glauben Sie mir – und wenn Sie Zeitung lesen, wissen Sie das – davon kann ich ein Lied singen.

Aber zweitens – und das ist viel wesentlicher – hat George Michael so was von Recht. Unser Herz, das ist nur für Besonderes dar. Und wir sollten ab und an prüfen: Schlägt unser Herz noch für was ganz Besonderes?

Menschen, die sich ehren- oder hauptamtlich bei der AWO engagieren, haben da schon eine richtig gute Entscheidung getroffen. Denn das AWO-Herz – das hinter mir auf der Fahne ist – schlägt für Freiheit, Gerechtigkeit, Gleichheit, Solidarität und Toleranz. Und das ist ganz konkret spürbar: In dem Einsatz der AWO für unsere Demokratie, in der Menschlichkeit im Miteinander. Sie finden den Herzschlag vor sich auf den Tischen: Denn die kleinen Kirschkernkissen sind nicht irgendwo bestellt, die sind alle mit Hand gefüllt und genäht. Als kleiner Mitmenschlichkeits-Begleiter durch das Jahr.

Gerade zu Weihnachten können wir prüfen, ob unser Herz noch für das Besondere schlägt – oder für die, die es nur wegwerfen. Wieviel Herz investieren wir beispielsweise für irgendwelche Likes auf Social Media. Die klügsten Menschen der Welt sitzen da zusammen und programmieren eine Idee nach der anderen, um uns möglichst lange am Bildschirm zu halten. Und manche von denen, um uns mit möglichst viel Zorn und Wut auf die Palme zu jagen.

Es ist unsere Entscheidung – die von jedem Einzelnen von uns, die von Ihnen – ob Ihr Herz an möglichst vielen Likes, vielen Social-Media-Aufrufen, möglichst vielen angeblichen Freund*innen im Netz liegt. Oder an echter Zwischenmenschlichkeit, Freundlichkeit, Interesse aneinander.

Es ist allein unsere Entscheidung, wo wir unser Herz hingeben. Für was wir unser Herz schlagen lassen. Ich finde: Wer es mit Leidenschaft und einem Lächeln für die Demokratie schlagen lässt, für unsere großartige vielfältige und inklusive Gesellschaft – gerade in Zeiten, wo diese durch rechtsextremen Hass angegriffen wird – da hat eine gute Entscheidung getroffen.

Und wie gesagt: es ist allein Ihre Entscheidung!

Vielleicht erinnern wir uns daran, jedes Mal, wenn wir auf dem Weihnachtsmarkt oder im Radio „Last Christmas“ hören. Und wenn da ab 27. Dezember wieder Pause ist: Dann nehmen wir das AWO-Kirschkernkissen und erinnern uns daran.

So viel von mir bei der AWO-Weihnachtsfeier. Und wisst Ihr, wissen Sie was klasse war: Die Stadtkapelle hat nach meiner Rede einfach „Last Christmas“ gespielt. Vielleicht – und es wäre mir eine große Ehre – habe auch ich in den letzten Jahren ein klein wenig zum Soundtrack in unserer Stadt beigetragen.

Homepage Daniel Born

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