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Die Freitagspost: Wie mit Kleinstsupermärkten die Versorgung auf dem Land sichergestellt wird

Veröffentlicht am 20.02.2026 in Woche für Woche

Ob sie stadtbildprägend waren? Da mache ich ein Fragezeichen. Aber schulwegprägend waren sie ganz sicher: die Kaugummiautomaten. In Rot oder Blau. Mit drei oder vier Sichtfenstern. Immer befüllt mit sehr harten Kugelkaugummis und manchmal noch mit Plastikschmuck, Schlüsselanhängern oder Sammelbildchen. Meine Oma hatte mir als Kind eingeredet, dass die Kaugummis in diesen Automaten immer verschimmelt wären. Und dabei hatte meine Oma keinen einzigen Tag als Automatenaufstellerin oder -befüllerin gearbeitet noch eine Schulung dazu beim Gesundheitsamt besucht. Aber irgendwie war sie für mich glaubwürdig. Und so weiß ich, dass ich an Tausenden von diesen Automaten vorbeimarschiert bin, ohne auch nur ein einziges 10-Pfennig-Stück einzuwerfen.

Kürzlich habe ich mal wieder so einen Automaten gesehen – und spontan an die Warnung meiner Oma gedacht. Es wirkt noch!

Aber daran sieht man: So neu ist die Idee nicht, dass man Lebensmittel aus dem Automaten ziehen kann. Sei es der Snackschrank am Bahngleis, der ausgerechnet dann lange mit dem Waren-nach-vorne-Schieben braucht, wenn der Zug pünktlich kommt. Oder die Kaffeemaschine, bei der der Kaffee einen etwas eigenen Geschmack hat, wenn unmittelbar davor eine Gemüsebrühe herausgelassen wurde.

Der Metzger bei mir um die Ecke hat einen Wurstautomaten und dadurch bei mir schon Sonntage gerettet, wenn doch spontan zwei Personen mehr mitgekommen sind. Und da zwischen meiner Wohnung und dem Metzger jetzt der Dönerladen einen Süßigkeitenautomaten aufgestellt hat, kann ich auf dem Weg auch gleich noch den Nachtisch besorgen.

Eine tatsächlich neuere Entwicklung ist, dass ganze Läden eine Ansammlung von Automaten sind. Kreditkarte plus günstige Kameratechnik unterstützen den Trend. Und manchmal ist es schon ein Ärgernis, weil man spürt: Hier gehen persönliche Nähe und gute Beratung verloren. Und Arbeitsplätze können gefährdet werden.

Aber es gibt auch eine positive Seite, denn tatsächlich wird es für viele Dörfer immer schwieriger, vor Ort ein auskömmliches Nahversorgungsangebot aufrechtzuerhalten. Die kleinen Bäckereien, Metzgereien und Einzelhändler*innen finden keine Nachfolger. Die Supermärkte konzentrieren sich auf die größeren Gemeinden. Die Folge: Es gibt keine wohnortnahen Einkaufsmöglichkeiten mehr. Die klassischen Geschäftsmodelle des Einzelhandels funktionieren dort wirtschaftlich nicht mehr. Menschen – insbesondere ältere oder mobilitätseingeschränkte – müssen für alltägliche Einkäufe weite Wege in Kauf nehmen. Selbst wenn sie nur mal schnell Butter, Eier, Milch, eine Tiefkühlpizza oder Katzenfutter brauchen.

Im vorletzten Gesetz, das ich im Landtag beschlossen habe, wurde nun diesen Automatenläden mehr Rechtssicherheit gegeben. Das Gesetz soll eine Öffnung von sogenannten Kleinstsupermärkten, die weitgehend ohne Personal auskommen, an sieben Tagen pro Woche zulassen. Ziel ist eine bessere Nahversorgung und damit mehr Lebensqualität auf dem Land.

Die Läden haben zwar alles, was man für den täglichen Bedarf braucht – nur an der Kasse sitzt niemand. Kund*innen bedienen sich selbst im Laden und bezahlen mit Karte. Diese Kleinstläden sind keine Konkurrenz zu bestehenden Strukturen, sondern eine Ergänzung dort, wo es keine Alternativen gibt. Damit leisten sie einen konkreten Beitrag zur Daseinsvorsorge und machen das Leben auf dem Land attraktiver.

Personalfreie Kleinstsupermärkte existieren bereits und haben in der Praxis auch sonntags geöffnet – obwohl dies nach geltendem Recht eine Grauzone darstellt. Mit der Gesetzesnovelle haben wir im Landtag eine klare, rechtssichere Grundlage geschaffen. Die Rechtsprechung räumt dem Gesetzgeber ausdrücklich die Möglichkeit ein, auf veränderte soziale Realitäten zu reagieren. Diesen Spielraum galt es zu nutzen – zur gezielten Stärkung der Nahversorgung im ländlichen Raum und zum Erhalt gleichwertiger Lebensverhältnisse in Stadt und Land.

Der Sonntag bleibt dabei ein Feiertag und für Verkäufer*innen ein arbeitsfreier Tag. Digitale Kleinstsupermärkte stehen diesem Charakter nicht entgegen: Am Sonntag arbeitet hier niemand, niemand füllt Ware auf und niemand macht sauber oder führt Reparaturen durch. Darum ist es gerade für die Arbeitskräfte im Einzelhandel wichtig zu wissen: Verkaufsfläche und Sortiment der digitalen Kleinstmärkte bleiben bewusst eingeschränkt. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass tatsächlich nur Kleinstläden von der Novelle profitieren.

Es geht darum, eine Versorgung überall im Land möglich zu machen. Kein Automat kann den persönlichen Kontakt ersetzen. Vor 50 Jahren genauso wenig wie heute. Vielleicht ist der persönliche Kontakt heute sogar noch wertvoller.

Bleibt also nur noch eine Frage offen: Hat jemand von Ihnen bzw. Euch schon einmal Geld in so einen Kaugummiautomaten geworfen?

Foto der Woche

Eine wundervolle Winterfeier bei der SPD Schwetzingen. Ich finde es immer besonders schön, wenn an so einem Abed auch Ehrungen sind (wie hier für Ernst Klopfer, Carol Eppinger und Herbert Brenner). Denn wir sind eine Mitgliederpartei und die Mitglieder machen unsere SPD stark.

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