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Die Freitagspost: Plastiktüten, ein Museum und eine Party

Veröffentlicht am 04.09.2020 in Woche für Woche

In der heutigen Freitagspost blickt Daniel zurück auf die Euro-Einführung, auf den Alten Bahnhof in Neulußheim und lädt herzlich ein zur Wahlkreisbüro-Party am 13. September.

Als wir im Dezember 2001 mit unseren Starterkits in der WG-Küche in Konstanz zusammensaßen, war recht schnell klar: Alle erzählen, dass die kleinen Plastiktüten mit 10,23 Euros drinnen mal sehr viel Wert sein werden, aber niemand von uns war so flüssig, dass wir 20 DM mal einfach so in eine Sammleranlage stecken konnten. Also wurden die Tüten aufgerissen. Außerdem hatte ja Hans Eichel gesagt, dass sie dazu da wären, sich mit dem neuen Bargeld auseinanderzusetzen. Darum hatten wir auch ein gutes Gewissen.

Und dann stellte sich doch die Frage: Was tun mit dem allerersten Euro? So viele Jahrhunderte Krieg, Leid und Vertreibung. Gerade wenn man vom Rhein kommt weiß man, wie oft Blutzoll dafür gezahlt wurde, dass sich Franzosen und Deutsche darüber bekriegten, wo die Grenze zu verlaufen hat. Und nun hatte Europa eine gemeinsame Währung. Für uns war das nur eine Vorstufe zur europäischen Verfassung und europäischen Republik. Einer meiner Mitbewohner wollte auch eine europäische Fußballnationalmannschaft, damit auf alle Zeiten der Fifa-Pokal auf unserer Seite des Atlantiks bleibt, aber da bekam er von uns anderen keine Unterstützung. Im Fußball, beim Eishockey und auf der Bühne des Eurovision Song Contest kicken, schieben und singen wir schön getrennt.

Wir hatten eine Idee: unser erster Euro kommt in die Spendenbox am Eingang der St.Georg-Kirche auf der Reichenau. Seit dem neunten Jahrhundert hatten hier Menschen gebetet und gehofft, dass schwere Zeiten leichter werden und große Krisen vorbeigehen. Hätte es einen besseren Ort geben können, um den ersten Euro loszuwerden?

Die historischen Gebäude stehen nicht nur als alte Sammlerstücke in der Gegend rum, sie sind nicht nur Postkartenmotive und Instagram-Hintergrund. Sie setzen uns in Bezug zur Geschichte und zu den Erlebnissen der Generationen vor uns. Sie schaffen einen Bogen, der uns mit unseren Ängsten, Sorgen und Hoffnungen auch erdet. Ja, wir leben in einer gefährlichen Pandemie. Aber wir sind nicht die ersten Menschen, die eine Pandemie bewältigen müssen. Und wir haben heute mehr Wissenschaft, mehr Medizin und mehr soziale Sicherung zur Verfügung. Ja, wir haben einen anstrengenden Transformationsprozess in der Wirtschaft zu gestalten.

Aber wir sind nicht die ersten Menschen, deren Erwerbs- und Arbeitsleben sich komplett ändern wird. Und wir haben heute mehr Mitbestimmung, mehr Bildungsgerechtigkeit und mehr globale Vernetzung zur Verfügung. Ja, wir können nicht länger damit leben und handeln, dass wir unser Klima anheizen. Aber wir sind nicht die ersten Menschen, die ihr Leben neu aufstellen müssen. Und wir haben heute mehr Demokratie, mehr Teilhabe und mehr finanzielle Mittel zur Verfügung. Das Schöne an den Sommerabenden im Museum ist, dass wir genau diesen Bezug unmittelbar spüren. Das war auch in diesem Jahr beim alten Bauernhaus in Plankstadt und am Alten Bahnhof in Neulußheim so. Wunderbare Bauwerke, die uns einladen zu spüren wie das Leben früher war. Weil wir die Gebäude aber auch nutzen – als Museum, als Schulungsort, als Proberaum, als Versammlungsstätte und als Kulturtreff – geben wir diesen Gebäuden immer neue Geschichten und uns die Chance unsere Geschichten mit den Erfahrungen der Vergangenheit zu verknüpfen.

Und wahrscheinlich hat uns darum auch alle so tief verletzt, als am letzten Wochenende Reichsfahnen auf den Stufen des Reichstags geschwenkt wurden. Denn dieses Gebäude ist eben auch nicht stehen geblieben, sondern heute das Herz unserer vielfältigen und weltoffenen Demokratie. Eine freie Gesellschaft, in der jede*r friedlich für oder gegen Corona-Maßnahmen demonstrieren darf. Aber die sich einig ist, dass sie den Schrecken von Kaiserreich mit Entmündigung von Arbeitnehmer*innen, Ausbeutung von Kolonien und Kriegstreiberei in Europa nie mehr erleben will. Und das sie sich dem Faschismus – egal mit welcher Fahne und welcher Parteibezeichnung er daherkommt – entgegenstellen wird.

Im alten Bauernhaus in Plankstadt und im Alten Bahnhof in Neulußheim kann auch geheiratet werden. Das finde ich eine besonders schöne neue „Nutzung“ – denn die Liebe schreibt die wichtigsten Geschichten. Dabei ist es heute egal, ob die Brautleute verschiedene Konfessionen oder das gleiche Geschlecht haben. Auch das ein Erfolg unserer Demokratie.

Geschichte wird gemacht und unsere Geschichten werden ein Teil davon. Unsere Zukunft ist das, was in zweihundert Jahren „Geschichte“ genannt wird. Reichsflaggen aller Art sollten nicht unsere Zukunft sein. Die lassen wir im Staub des Vorgestern zurück.

PS: Über Rückmeldungen zu meiner Freitagspost freue ich mich immer. Ihr erreicht mein Team und mich per E-Mail unter buero@daniel-born.de oder telefonisch: 06205-38324. Auch mit allen anderen Anliegen, Ideen, Anregungen und Fragen dürft Ihr Euch gerne an uns wenden. Außerdem könnt Ihr hier Interesse an einer Besucherfahrt in den Landtag anmelden.

Und nicht vergessen: Am Sonntag, 13. September 2020 um 17:00 Uhr steigt die Wahlkreisbüro-Party 2020 in der Schwetzinger Straße in Hockenheim! Eine vorherige Anmeldung über die o.g. Kontaktdaten ist leider unbedingt erforderlich.

Foto der Woche: Die Neulußheimer SPD-Chefin Miriam Walkowiak und ich treffen auf einen Zeitzeugen aus der Gründung Neulußheims. Ein herrlicher Sommerabend im Museum als Abschluss der diesjährigen Tour.

Homepage Daniel Born

Termine Gengenbach

hier finden sich die nächsten Termine in des Ortsvereins Gengenbach. Eine Übersicht aller Termine der umliegenden Ortsvereine findet sich unter Termine.

Der Rote Ortenauer

(Zeitung des SPD-Kreisverbands Ortenau)

Rotes aus der Ortenau

findet sich unter https://www.roter-ortenauer.de

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