Zufallsfoto

Die Freitagspost: Ich empöre mich darüber, dass insgesamt über 600.000 Menschen in Deutschland wohnungslos sind

Veröffentlicht am 12.09.2025 in Woche für Woche

Über was empören wir uns? Gestern habe ich mit diesem Satz meine Rede zum Tag der Wohnungslosen im Achtergrund eröffnet. Mir liegt dieser Tag sehr am Herzen und ich bin froh, dass unser Hockenheimer DRK hierzu ein Grillfest macht.

Ich nutze einfach die Freitagspost diese Woche, um Ihnen und Euch meine Rede zu schicken. Über Rückmeldungen freue ich mich wie immer.

Meine Damen und Herren,

über was empören wir uns? Wo wird unser Aufschrei verlangt?

Es gibt dafür viele Gelegenheiten – im Netz rund um die Uhr. Sie können sich über alles empören. Sie können ohne Probleme einen Shitstorm auslösen, sich an einem beteiligen und einen verstärken.

Es gibt gute Gründe sich zu empören, es gibt Gründe aufzuschreien:

Ich empöre mich darüber, dass insgesamt über 600.000 Menschen in Deutschland wohnungslos sind.

Ich empöre mich über die Strukturen, die Wohnungslosigkeit verursachen.

Denn Wohnungslosigkeit ist kein Einzelversagen – Wohnungslosigkeit ist ein gesellschaftliches und politisches Versagen.

Wir müssen Wohnungslosigkeit überwinden. Weil sie kein Klischee, keine romantische Geschichte ist – sondern sie widerspricht unserem Anspruch auf Würde, auf Teilhabe und auf Gerechtigkeit.

Und: Wohnungslosigkeit ist gefährlich.

Als ich im letzten Winter mit den Maltesern Getränke und warmes Essen am Heidelberger Hauptbahnhof verteilte, da waren das für mich mit die lehrreichsten Stunden meiner gesamten Zeit in der Politik.

So viele gute Gespräche über Sorgen und Hoffnungen, Scheitern und Aufbruch, Fragen an einen selbst und an das System. Und dann war die eine Frage, die mir gestellt wurde, die mich nicht mehr loslässt.

Die Frage, ob ich wüsste, warum man als Obdachloser den Reißverschluss seines Schlafsacks nicht zumachen würde? Ich wusste die Antwort nicht. Nein, ganz ehrlich: ich hatte mich noch nie damit beschäftigt.

Die Antwort ist: Man lässt den Reißverschluss auf, weil man bei einem geschlossenen Schlafsack nicht mehr rauskommt, wenn er angezündet wird.

Ja, empören wir uns: Es gibt grausamste Gewalt gegen Obdachlose.

Gewalttaten gegen obdachlose Menschen sind erschreckender Alltag. Laut aktueller Polizeistatistik wurden 2024 2.194 Straftaten im Zusammenhang mit Obdachlosigkeit erfasst – so viele wie nie zuvor. Die Zahl hat sich seit 2011 mehr als verdreifacht wie Hinz&Kunzt berechnet. Und die Dunkelziffer dürfte um ein Vielfaches höher liegen.

Bedrohungen, Demütigungen, Erpressung, Schläge, Tritte, Vergewaltigung, Folter, Mord und immer wieder die eben erwähnten Brandanschläge im Schlaf.

Also empören wir uns. Und zwar so wie wir das als Demokratinnen und Demokraten können:

  • Indem wir solidarisch sind. So wie es die Stadt Hockenheim war, als sie diesen wichtigen Hilfspunkt hier geschaffen hat.
  • Indem wir engagiert sind. So wie das DRK, wenn es hier immer wieder Brücken baut und konkret hilft.
  • Und indem wir dieses Land verbessern, denn wir müssen und können Wohnungslosigkeit überwinden:

Durch sozialen Wohnungsbau, durch gezielte Förderprogramme, durch einen besseren Mieterschutz und eine gemeinwohlorientierte Sozial- und Mietpolitik. Durch eine Politik, die Renten absichert, die Lohn- und Unterhaltsansprüche absichert, in der der Sozialstaat für jeden greifbar ist, die einen konsequenten Housing-First-Ansatz fährt und in der man nicht den Anschluss an die Gesundheitsversorgung verlieren kann und in der es immer absolut immer und ausnahmslos eine zweite und eine dritte und eine vierte Chance gibt. Und angesichts von 137.000 wohnungslosen Kindern in Notunterkünften: In der es auch eine erste Chance gibt.

All das können wir schaffen. Weil wir in der Demokratie bestimmen, was uns wichtig ist. Weil wir bestimmen, worüber wir uns wirklich empören. Weil wir bestimmen, wofür wir unsere Stimme erheben.

Ich bin überzeugt: Wenn wir dafür arbeiten, dass niemand in unserem Land auf der Straße leben muss, „Couching“ machen muss, Angst vor Wohnungslosigkeit haben muss, dann haben wir uns über das richtige empört, dann haben wir unsere Stimme für das richtige erhoben, dann haben wir als Demokraten das Land besser gemacht.

Foto der Woche

Ich feiere die SPD Neulußheim und liebe ihr Sommerfest. Mit guten Gesprächen, schöner Stimmung und besten Dampfnudeln mit Kartoffelsuppe oder Vanillesauce. Und den unfassbar leckeren Kuchen. Das lasse ich mir in keinem Jahr entgehen. (Bild: R. Hettwer)

Homepage Daniel Born

Termine Gengenbach

hier finden sich die nächsten Termine in des Ortsvereins Gengenbach. Eine Übersicht aller Termine der umliegenden Ortsvereine findet sich unter Termine.

Der Rote Ortenauer

(Zeitung des SPD-Kreisverbands Ortenau)

Rotes aus der Ortenau

findet sich unter https://www.roter-ortenauer.de

Banner

Jetzt Mitglied werden Online spenden

WebSozis

26.09.2026 19:01 Sonja Eichwede und Bettina Lugk zur Olympia-Entscheidung
Jetzt braucht es einen gemeinsamen Aufbruch für Olympia. München setzt sich durch. Nachdem die Evaluierungskommission die Konzepte von München und KölnRheinRuhr nahezu gleichauf bewertet hatte, haben sich die Delegierten der außerordentlichen Mitgliederversammlung nun für München als deutsche Bewerberstadt entschieden. Wir gratulieren München und allen Beteiligten zu diesem überzeugenden Konzept. Sonja Eichwede, stellvertretende Vorsitzende: „Herzlichen Glückwunsch… Sonja Eichwede und Bettina Lugk zur Olympia-Entscheidung weiterlesen

25.09.2026 19:03 Wegge/Heselhaus zu EU-Regeln gegen Greenwashing
Umsetzung von EU-Regeln gegen Greenwashing: Koalition schafft pragmatische Lösung für Altwarenbestände Am 27. September 2026 treten neue Regeln in Kraft, nach denen Umweltaussagen in der Werbung oder auf Produktverpackungen jetzt klar und nachvollziehbar belegt werden müssen. Um einen pragmatischen und verhältnismäßigen Umgang mit Altbeständen sicherzustellen, justieren wir nach. Carmen Wegge, rechts- und verbraucherpolitische Sprecherin: „‘Einfach… Wegge/Heselhaus zu EU-Regeln gegen Greenwashing weiterlesen

14.09.2026 17:56 Zollkodex
Jeden Tag kommen Millionen Kleinsendungen aus Drittstaaten in die EU. Die enorme Menge erschwert wirksame Kontrollen erheblich. Allein im Jahr 2024 wurden 4,6 Milliarden Pakete mit einem Warenwert von weniger als 150 Euro in die EU eingeführt – 91 Prozent davon über chinesische E-Commerce-Plattformen. Das sind mehr als doppelt so viele wie noch 2023, als… Zollkodex weiterlesen

14.09.2026 17:54 Armand Zorn zur aktuellen Lage der Spritpreise
Regulatorischer Spritpreisdeckel zur Entlastung von Verbraucherinnen und Verbrauchern Die steigenden Spritpreise sorgen erneut für Belastungen bei Verbraucherinnen und Verbrauchern. Angesichts der Tatsache, dass die Preise an den Zapfsäulen auch jetzt wieder stärker und schneller gestiegen sind, als der Ölpreis und die Verarbeitungs- und Transportkosten es zu rechtfertigen vermuten, fordern wir erneut einen regulatorischen Spritpreisdeckel zur… Armand Zorn zur aktuellen Lage der Spritpreise weiterlesen

14.09.2026 17:53 Nancy Faeser zur Schließung der Goethe-Institute in Russland
Schließung deutscher Goethe-Institute in Russland ist großer Fehler Nancy Faeser, zuständige Berichterstatterin: Seit dem 13.09.2026 schließt Russland die Goethe-Institute in Moskau, St. Petersburg und Jekaterinburg. Die SPD-Bundestagsfraktion kritisiert die Entscheidung als schweren Rückschlag für den kulturellen und gesellschaftlichen Austausch. Die Institute stärken die Verbindungen zwischen Deutschland und der russischen Zivilgesellschaft über Regierungen hinaus. „Die Schließung der… Nancy Faeser zur Schließung der Goethe-Institute in Russland weiterlesen

Ein Service von info.websozis.de