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Die Freitagspost: Eine inklusive Gesellschaft muss Obdachlosigkeit überwinden

Veröffentlicht am 21.02.2025 in Woche für Woche

Am Sonntagnachmittag fand der Festakt anlässlich des 150. Geburtstag der Stadtkapelle statt. Jetzt ist ja bekannt, dass ich generell gerne Gast bei den Konzerten unserer Musik- und Gesangsvereine in der Region bin. Und nach fast zehn Jahren als Landtagsabgeordneter und engen Beziehungen mit den Vereinen sind auch oft meine Lieblingsstücke aus dem Repertoire kein Geheimnis mehr.

Musik ist der Soundtrack unseres Lebens – nichts geht so direkt ins Herz wie ein Lied. Ganz besonders trifft dies natürlich auf die Stadtkapelle zu. Denn es ist ja sozusagen ihr Vereinszweck, den Soundtrack zum Leben in Schwetzingen beizusteuern. Egal wann in den letzten Jahren gefeiert oder getrauert, getanzt oder gehofft wurde, die Stadtkapelle hat dazu gespielt. Und da wird aus unseren ganz persönlichen Playlisten der Soundtrack einer Stadt.

Lieder haben für uns ja ganz unterschiedliche Funktionen und Bedeutungen. Manchmal passen die Inspiration des Künstlers oder der Text gar nicht unbedingt zu dem, wo uns das Stück später abholt. Auch das ist das Schöne an Musik.

Bei mir ist es zum Beispiel bei „Street Life“ von den Crusaders so. Am liebsten in der Version von Randy Crawford aus dem großartigen „Jackie Brown“-Film. Eine der Hymnen meines Lebens – und besonders gerne höre ich sie entweder beim Anziehen, laut im Auto oder beim Kochen. Nur haben diese drei Situationen null Komma null mit der darin besungenen Situation zu tun.

Der Text handelt vom Leben auf der Straße und davon, dass man vielleicht in der Jugend noch irgendwie damit zurechtkommt, aber es spätestens im Alter schrecklich hart wird. 

Wobei natürlich „Street Life“ wie vieles, was die Popkultur geschaffen hat, eher das Leben auf der Straße verklärt, als ein realistisches Bild davon abgibt. Der nette ältere „Penner“, der für jeden eine Lebensweisheit hat. Die nachdenkliche Philosophin, die unter freiem Himmel glücklich ist. Überhaupt eine Mischung aus Freisinn und Freigeist.

Mit der Realität vom Leben auf der Straße hat all das, was uns die Popkultur bietet, überhaupt nichts zu tun. Das Leben auf der Straße ist gefährlich, gesundheitsschädlich und raubt einem jede Teilhabe. Eine inklusive Gesellschaft muss Obdachlosigkeit überwinden.

Die Tendenz in unserem reichen Land ist aber eine andere: Laut Erhebung der Sozialverbände sind in Baden-Württemberg so viele Menschen von Wohnungsnot und Obdachlosigkeit betroffen wie noch nie. Und vor allem bei älteren Mitbürger*innen nimmt die Gefahr zu, die Wohnung aufgrund der steigenden Mieten zu verlieren.

Das Land muss wegkommen von Modellprojekten und endlich strukturelle Maßnahmen umsetzen. Wohnen ist ein Menschenrecht und Wohnungslosigkeit kein Klischee. Das wichtigste Ziel ist daher die Beseitigung der Wohnungslosigkeit bis 2030. Dafür brauchen wir einen umfassenden Housing-First-Ansatz, sowohl in der sozialen Unterstützung als auch in der Arbeits-, Integrations- und Seniorenhilfe. 

Die Beseitigung von Wohnungslosigkeit funktioniert nur mit gemeinsam abgestimmten Zielen einschließlich einer verlässlichen Finanzierung. Zur Vermeidung von Wohnungslosigkeit ist außerdem ein soziales Netz entscheidend, zu dem neben mehr sozial gebundenen Wohnungen und kommunalem Wohnungsbau auch ausreichend Frauen- und Kinderschutzhäuser sowie eine gut ausgestattete Sucht-, Schuldner- und Sozialberatung zählen.

Wir müssen der wachsenden Obdachlosigkeit nicht zuschauen – wir können etwas tun und wir müssen etwas tun. Die politischen Maßnahmen sind bekannt.

Und damit ich nicht missverstanden werde: Wir müssen gegen Obdachlosigkeit kämpfen – nicht gegen die Menschen, die ihre Wohnung verloren haben. Das ist ein wichtiger Unterschied. Und manche Maßnahmen zielen auf das Falsche.

Wenn Menschen ohne Obdach von Plätzen vertrieben werden, Flächen gespickt werden, damit man da nicht sitzen kann und Bänke so unterteilt werden, dass dort nicht geschlafen werden kann, dann ist nicht die himmelschreiende Ungerechtigkeit Obdachlosigkeit angegangen worden, sondern nur die Menschen, die davon betroffen sind.

Eine Gesellschaft, die so etwas tut, die braucht auch keinen Soundtrack mehr, die hat ihr Herz längst vergessen.

Foto der Woche

Überall im Land machen unsere Bundestagskandidierenden aufregende Wahlkämpfe mit tollen Aktionen. Wahlkampf ist Plakate und Flyer, Luftballons und Kugelschreiber. Aber vor allem sind es auch viele gute Gespräche. Mir ist das sehr wichtig. Am Wochenende war ich zur Wahlkampfunterstützung am Bodensee. Das Foto entstand mit Bundestagskandidat Leon Hahn bei einem Besuch des Kulturzentrums „Casino Kulturraum“ im Uni-Viertel. Wir haben mit den dort Aktiven über Landesförderungen, kommunale Haushalte und Fragen der Baupolitik gesprochen.

Homepage Daniel Born

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