
Vier Bausteine zur vollständigen Energiewende des Landkreises Konstanz bis 2030

Vier Bausteine zur vollständigen Energiewende des Landkreises Konstanz bis 2030
Atomare und fossile Energieerzeugung haben keine Zukunft. Der Betrieb von Atomkraftwerken ist riskant, die Entsorgungsfrage ungelöst und die Uranvorräte sind wie die fossilen Energieträger endlich. Zudem erfordert der Klimaschutz die signifikante Reduktion des Treibhausgasausstoßes, Deutschland hat sich in dieser Frage anspruchsvolle Ziele gesetzt. Der Ausstiegsprozeß aus der Atomenergie muß fortgesetzt und die Verbrennung fossiler Energien muß kontinuierlich reduziert werden – bei gleichzeitiger Forcierung der Nutzung erneuerbarer Energien. Atomausstieg und Klimaschutz sind machbar – und alternativlos! Der vollkommene Umstieg unseres Landkreises auf erneuerbare Energiequellen ist möglich – zwar nicht sofort, aber bis zum Jahr 2030.
Die Argumentation, regenerative Energiequellen seien bislang noch nicht ausgereift, weshalb die Deckung unseres Energiebedarfs längere Laufzeiten vorhandener Atomkraftwerke und somit die Aufkündigung des Atomkompromisses zum Ausstieg aus der Kernenergie nötig mache, zeugt nicht nur von ökologischer wie energiewirtschaftlicher Ignoranz, sondern verschließt sich auch den ökonomischen Wachstumschancen, die sich gerade unserem Landkreis durch Forschung und Entwicklung im Bereich erneuerbarer Energiequellen bieten. Durch koordinierte Anstrengungen ist es möglich, bis zum Jahr 2030 den Energiebedarf unserer Region komplett durch regenerative Energiequellen zu decken.
Die Regierung Schröder hat den Wechsel in ein neues Energiezeitalter eingeleitet und die Weichen dafür richtig gestellt. Der im Jahr 2000 beschlossene Ausstieg aus der Kernenergie sieht eine Regellaufzeit vorhandener Atommeiler vor, der zufolge das letzte Atomkraftwerk im Jahre 2020 abgeschaltet werden wird. Darüber hinaus haben das Erneuerbare Energiengesetz, die Ökosteuer, das Energieeinspargesetz, das 100.000 - Dächer-Solarprogramm und das Kraftwärmekopplungsgesetz dafür gesorgt, dass die Nutzung erneuerbarer Energien seit 1998 mehr als verdoppelt wurde und der Energie- und Benzinverbrauch gleichzeitig zurückgehen. Viele Länder haben das erfolgreiche Erneuerbare Energiengesetz zwischenzeitlich kopiert, um auch ihre regenerativen Energiepotentiale besser auszunutzen. Mit dem Ziel, die Energiewende in Deutschland langfristig zu meistern, soll bis 2010 der Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch auf 12,5 Prozent verdoppelt werden und bis zum Jahr 2020 auf 20 Prozent steigen.
Die baden-württembergische Landesregierung blockiert den beschlossenen Ausstieg aus der Kernenergie jedoch, anstelle ihn aktiv zu begleiten und die Möglichkeiten aus neuen Energiequellen für unser Land nutzbar zu machen. Sie sollte endlich realisieren, daß der Ausstieg aus der Atomkraft nicht nur gesetzlich besiegelt, sondern gemeinsam mit dem notwendigen Rückzug aus fossiler Energieerzeugung ökologisch und wirtschaftlich vernünftig ist und die regenerativen Energiealternativen gerade für unser Bundesland große Potentiale beinhalten. Anstelle an falschen Visionen von gestern festzuhalten und den Aufbruch in eine klimaverträgliche und sichere Energieversorgung zu verschlafen, sollte sich die Landesregierung viel stärker an der Substitution der Kapazitäten der bisherigen Atomkraftwerke bis zum Jahr 2020 und an der Konversion der Kraftwerksstandorte beteiligen. Sie sollte endlich auch stärker die Potentiale erkennen und nutzen, die gerade für uns als Forschungs- und Entwicklungsland in der Förderung der Brennstoffzellentechnologie, der Wasserstoffwirtschaft und der Tiefengeothermie liegen. Aber auch Windenergie, Photovoltaik und Biomasse bergen noch ein großes Reservoir an Weiterentwicklungs- und Anwendungsmöglichkeiten, während nur im Bereich der Wasserkraft die Potentiale bislang größtenteils ausgenutzt zu sein scheinen. Würde die Stuttgarter Landesregierung die regenerativen Energiealternativen ernsthafter unterstützen und nicht aus falsch verstandener Nähe zur Energieindustrie blind an der Atomenergie festhalten, müssten wir nicht mehr 25 Prozent unseres benötigten Stroms nach Baden-Württemberg einführen, sondern könnten bundesweiter Vorreiter auf dem Energiesektor der Zukunft werden. Dies hätte nicht nur billigere Strompreise, sondern auch neue, zukunftssichere Arbeitsplätze in einer Wachstumsbranche zur Folge, da der Wegfall von Arbeitsplätzen in der Atomenergie durch neugeschaffene Arbeitsplätze im Bereich regenerativer Energiequellen um ein vielfaches kompensiert wird. Leider zeigt auch das neuerliche, vergleichsweise mittelmäßige Abschneiden der Gemeinden unserer Region in dem Wettbewerb Solarbundesliga, daß unser Landkreis trotz ansässiger Firmen wie solarcomplex oder Sunways sein zweifellos vorhandenes Potential in der Verwertung der Sonnenenergie nicht zu nutzen scheint, denn wir könnten zu den bundesweiten Vorreitern gehören.
Die Firma solarcomplex, ein in Singen ansässiges Bürgerunternehmen, hat sich bei seiner Gründung vor fünf Jahren das Ziel gesetzt, bis 2030 den Umbau der Energieversorgung der Region Hegau/ Bodensee auf heimische erneuerbare Energien zu vollziehen. Bereits Anfang 2002 hat solarcomplex eine Potentialstudie veröffentlicht, die die konkrete Machbarkeit dieses Ziels für den Landkreis Konstanz sichtbar macht.
Die Ergebnisse dieser Studie lassen sich auf vier Punkte fokussieren, die für den Landkreis Konstanz in der Realisierung dieses ehrgeizigen Ziels wichtig sind:
1.Alle Potenziale nutzen
Die systematische Nutzung von Sonnenlicht auf der Hälfte aller geeigneten Dachflächen und großen, bislang nicht überdachen Parkflächen vor Supermärkten, Bahnhöfen, Stadien, Hallen- und Freibädern sowie bereits überdachten Parkflächen in Form von Parkhäusern, privaten Stellplätzen und Garagen würde jährlich 165 GWh Strom in unserer Region erzeugen. Würde ebenfalls nur die Hälfte aller dafür geeigneter Flächen im Landkreis zur Gewinnung von Sonnenwärme genutzt, brächte dies 500 GWh Strom ein. Im Bereich der Wasserenergie existiert im Konstanzer Landkreis ein technisch nutzbares Potential von 35 GWh, der Jahresstromertrag durch Windkraft könnte sich auf 140 GWh belaufen. Die Nutzung von Biomasse, also organischen Stoffen pflanzlichen oder tierischen Ursprungs, und Energiepflanzen brächte zusammen 333 GWh Strom pro Jahr ein. Energiepotentiale im Bereich der Geothermie, das heißt der unter der Erdoberfläche gespeicherten Energie, beliefen sich in der Region auf 1.030 GWh Strom pro Jahr. Insgesamt addiert sich die regenerativ erzeugte Menge an Strom auf etwa 2.200 GWh jährlich. Wenn wir es innerhalb der kommenden 25 Jahre schaffen, unsere Energieeffizienz zu verbessern, kann dieses Potential ausreichend sein, um unseren Energiebedarf zu decken. Gleichzeitig können durch die weitere Mobilisierung beispielsweise geothermischer Energiequellen und technische Fortentwicklungen zu ihrer Nutzung zusätzliche energetische Potentiale regenerativer Energien erschlossen werden.
2.Energiewende als Wirtschafts- und Jobmotor
Insgesamt betrachtet werden mit der technologischen Modernisierung unserer Energiegewinnung der Wirtschaft enorme regionale Impulse gegeben, die gleichzeitig ökologisch verträglich sind. Bislang verlieren wir den Großteil der Energiekosten unseres Landkreises an die Regionen, aus denen wir unsere fossile und atomare Energie beziehen, was nichts zur Wertschöpfung in unserer Region beiträgt: Derzeit fließen jährliche Energiekosten in Höhe von ca. 350 Mio. Euro aus unserer Region ab. Mit schrittweisem Ausbau heimischer regenerativer Energien erhöht sich der Anteil unserer Energieausgaben, die in unserer Region verbleiben, entsprechend; neue und zukunftssichere Arbeitsplätze entstehen. Beispielsweise ist es durch die Mobilisierung der energetischen Potentiale von Biomasse aus Forst- und Landwirtschaft möglich, Wertschöpfungspotentiale von jährlich mindestens 10 Mio. Euro zu erschließen, was die Erhaltung der noch verbliebenen landwirtschaftlichen Betriebe in unserer Region bei Sicherung und Erhöhung ihrer Beschäftigtenzahl und Verbesserung ihrer Ertragslage ermöglicht. Sowohl der Ausbau erneuerbarer Energiequellen als auch die Verbesserung der Energieeffizienz durch Umrüstung, Sanierung und Modernisierung bestehender Anlagen und Gebäude schafft zahlreiche neue Arbeitsplätze in Handwerk und technischen Dienstleistungsberufen, die sich durch die erzielten Energieeinsparungen selbst finanzieren. Für den Landkreis Konstanz bedeutet dies ferner die Möglichkeit, sich weitere überregionale Marktchancen durch den Ausbau von Zukunftstechnologien im Bereich regenerativer Energiequellen zu erschließen.
3.Verbesserung unserer Energieeffizienz
Der Strom- und Wärmebedarf unserer Region, die sich auf knapp 800 qkm erstreckt und in der etwa 265.000 Einwohner leben, beläuft sich derzeit auf ungefähr 5,2 Mrd. kWh oder 5.200 GWh pro Jahr. Dem gegenüber steht nach heutigem Entwicklungsstand ein jährliches Potential von knapp 2.200 GWh an erneuerbaren Energien, das mit verbesserten Technologien durchaus noch gesteigert werden kann. Durch eine verbesserte Energieeffizienz kann es möglich werden, den Energiebedarf um den Faktor 4 zu vermindern. Dies kann durch den verpflichtenden Einsatz moderner Energiespartechniken in Neu- oder Ersetzungsbauten, aber auch die Sanierung von Altbauten und bestehender Anlagen und Systeme gelingen, die kostenneutral ist, da sich technische Erneuerungen durch Energieeinsparungen selbst bezahlbar machen, gleichzeitig jedoch zusätzliche Arbeitsplätze in unserer Region schafft. Auch eine Veränderung unseres Energieverhaltens wird dazu beitragen, daß die Verbesserung unserer Energieeffizienz zu einem realistischen Ziel wird.
4.Entwicklung eines „Fahrplans Energieautonomie 2030“
Um ein konkretes Handlungsprogramm für unsere Region zu haben, müssen wir unter Einbeziehung aller beteiligten Akteure – d.h. der Kommunen, der Kammern, der Stadtwerke, der Träger der neuen Techniken, wie z.B. die Unternehmen solarcomplex und Sunways und der übrigen politischen Entscheidungsträger des Landkreises – einen „Fahrplan Energieautonomie 2030“ ausarbeiten, der konkret die notwendigen Schritte beinhaltet, mit denen wir den kompletten Umstieg auf erneuerbare Energiequellen in unserem Landkreis bis zum Jahr 2030 vollzogen haben können.
Eine klimaschutzgerechte und nachhaltige Energiewirtschaft kann in unserem Landkreis innerhalb der kommenden 25 Jahre den kompletten Ausstieg aus atomarer und fossiler Energieerzeugung besiegeln und zu einem Mix an regenerativen Energien führen, mit dem wir unser Energieaufkommen selbst erwirtschaften. Die Fakten liegen auf dem Tisch, der Umstieg ist machbar.
Homepage Peter Friedrich
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(Zeitung des SPD-Kreisverbands Ortenau)
Rotes aus der Ortenau
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