
Schwetzingen. Parlamentarier unter sich – so hätte man den Abschluss des Besuchs der Schimper-Schule überschreiben können. Denn nach seinem Rundgang durch das Haus nahm sich Landtagsvizepräsident Daniel Born Zeit, um gemeinsam mit den Schülersprecherinnen Liv Horchheimer und Jouly Kousa sowie weiteren Vertretern des Schülerparlaments aktuelle Fragen zu diskutieren. Und dabei ging es um ganz konkrete Themen, die sowohl die Demokratie in einer Schule als auch die in einer Volksvertretung beschäftigen. Wie findet man einen guten Kompromiss? Wie kann man Mehrheit und Minderheit versöhnen? Und wie schafft man eine gute Zukunftsperspektive in der sich alle gesehen fühlen? Und weil in dieser Runde nicht nur sechs „Parlamentarier“, sondern auch sechs Menschen aus Schwetzingen und Oftersheim zusammensaßen, ging es natürlich auch um den besten Döner der Stadt und in welchen Vereinen man mitmacht.
Ein anderes Thema der Runde war der respektvolle und wertschätzende Umgang in Social Media. „Ich finde es blöd, wenn man was verteufelt: Social Media macht ja auch Spaß. Aber wichtig ist halt, dass man sich bei allem, was man postet, immer überlegt, dass wir gut miteinander umgehen sollten. Und dass wir eben nicht auf Lügen und Hasspropaganda von Radikalen und Populisten reinfallen“, so der SPD-Politiker.
Borns Besuch fand im Rahmen der „Woche der Gemeinschaftsschulen“ statt. Nicht nur das moderne Schulgebäude, das 2021 nach fast fünfjähriger Planungs- und Bauzeit eingeweiht wurde, mache die Schule zu einer Vorzeige-Bildungseinrichtung, befand SPD-Bildungsexperte Born. „Diese Schule ist ein Lern- und Chancenraum für echte Inklusion und gelebte Demokratie“, zeigte sich Born beim Rundgang durch das Gebäude begeistert.
Der Neubau der Gemeinschaftsschule, in den die Stadt Schwetzingen rund 36 Millionen Euro investiert hat, verbindet ein innovatives Raumkonzept mit zeitgemäßer Ausstattung. Die unterschiedlichen Lernräume bieten flexiblen Möglichkeiten, zu Lerngruppen zusammenzufinden oder konzentriert einzeln zu arbeiten. Im Erdgeschoss laden ein Café, Aufenthaltsräume und die Bibliothek zum Verweilen ein, während Werkstätten, Lehrküchen und Technikbereiche im Obergeschoss praxisorientiertes Lernen ermöglichen. „Ein bisschen bunter dürfte es noch werden“, erklärte Schulleiterin Nicole Winkler mit einem Augenzwinkern und meinte damit die weißen Wände – nicht die Schulgemeinschaft, deren bunte Vielfalt sie als ihr größtes Kapital betrachtet.
Winkler zeigte sich dankbar für die Unterstützung des Zweckverbandes unterer Leimbach, die weit über die Aufgaben hinausgeht, die ein Schulträger erfüllen muss: Obwohl es nicht zu den Pflichtaufgaben gehört, finanziert der Träger sechs pädagogische Assistenzkräfte für den gebundenen Ganztag der Schule.
Das Herzstück des pädagogischen Konzepts der Schule ist das personalisierte Lernen. „Wer allen Kindern das Gleiche bietet, nimmt ihnen wertvolle Zeit für ihr eigenes Lernen und die Entfaltung ihrer individuellen Potenziale“, betonte Winkler. Konrektor Dirk Marschall ergänzte: „Wir sind eine Schule, an der jedes Kind seine Erfolge feiern kann. Bei uns stehen nicht Beurteilungen im Vordergrund. Bei uns geht es um die persönliche Entwicklung jedes einzelnen jungen Menschen und seinen Mut, sich den Herausforderungen dieser Welt zu stellen.“
Auch Elternbeiratsvorsitzender Peter Wolf lobte im Gespräch mit dem Wahlkreisabgeordneten insbesondere die persönliche Begleitung, die Jugendliche an der Schule erfahren: „Egal, woher und womit du kommst – hier bist du willkommen, gehörst dazu und wirst mit dem, was du kannst und bist, wertgeschätzt und begleitet.“
Damit das gelingen kann, setzte die Karl-Friedrich-Schimper-Gemeinschaftsschule auf multiprofessionelle Teams, in denen Lehrkräfte, Heilpädagogen, Sozialarbeiter und Schulsozialarbeit eng zusammenarbeiten. Zum pädagogischen Konzept gehört auch die Kooperation mit der Praxis „Neuer Blick“ unter der Leitung von Ricardo Eldridge, der als Jugend- und Heimerzieher, systemischer Therapeut und Heilpraktiker für Psychotherapie ausgebildet ist. Die Fachkräfte dieser Praxis unterstützen sowohl einzelne Schülerinnen und Schüler als auch das gesamte pädagogische Team. „Mit dieser Vielfalt an Qualifikationen werden wir auch der Vielfalt der Lebensgeschichten der Schülerinnen und Schüler gerecht“, ist Eldridge überzeugt. Durch diese Zusammenarbeit entstehe ein Umfeld, in dem Inklusion und individuelle Förderung wirklich gelebt werden könnten.
Die Schule engagiert sich aktiv für demokratische Werte, sowohl im Schulalltag als auch durch die an Projekten wie „#IchStehAuf“ für Demokratie und Vielfalt. Born, der seit 2016 dem Bildungsausschuss angehört, betonte die Bedeutung solcher Initiativen: „Demokratie zu leben und zu fördern beginnt in Schulen wie dieser. Hier lernen junge Menschen den respektvollen Umgang miteinander, Kooperationsbereitschaft und Verantwortungsübernahme.“
Wie gut das funktioniert, konnte der Schwetzinger Abgeordnete an seinem Besuchstag live erleben: In der ganzen Schule wurde eifrig der „Winterzauber“ vorbereitet. „Die Mehrheit unserer Schüler gehört keiner christlichen Kirche an. Wir möchten, dass sich alle hier gesehen fühlen“, erklärte Schulleiterin Winkler, warum an ihrer Schule auch auf die kleinen Dinge wie der Name eines Festes mit großer Sensibilität geschaut wird.
„Das Konzept der Gemeinschaftsschule ist ein Leuchtturm für unsere Gesellschaft. Hier werden die Werte, die uns stark machen, gelebt und erfolgreiche Bildungsbiographien ermöglicht - mit Solidarität statt mit Druck“, resümierte Born.