Zufallsfoto

Daniel Borns siebter Kurpfalz-Horizont: „Raus aus den Schubladen – Kein Platz für Rassismus“

Veröffentlicht am 14.03.2025 in Veranstaltungen

Schwetzingen. „Vorurteile überwindet man mit Verständnis und für Verständnis muss man miteinander sprechen.“ Mit diesen Worten begrüßte Sabine Rebmann, Ortsvereinsvorsitzende der SPD Schwetzingen, die Gäste des siebten Kurpfalz-Horizonts im Josefshaus in Schwetzingen. Diesmal hatte Landtagsvizepräsident Daniel Born die Bestseller-Autorin, Schulamtsdirektorin und interkulturelle Kommunikationsexpertin Florence Brokowski-Shekete zum Gespräch eingeladen. Im Schwetzinger Josefshaus verfolgten rund 80 Gäste eine angeregte Diskussion, die eindrücklich zeigte: Rassismus ist kein abstraktes Problem, sondern eine alltägliche Realität, die couragiertes Handeln erfordert.

Für eine eindrucksvolle musikalische Rahmung sorgten Matilda Getto und Sarah Worae aus dem Jugendchor des Sängerbundes Schwetzingen. Zu Beginn sangen sie „Stand Up“ von Cynthia Erivo – eine Hymne für den Kampf gegen Ungerechtigkeit – und beendeten den Abend mit „Imagine“ von John Lennon. Ihre Musikauswahl begründeten sie mit einem klaren Statement: „Das Wichtigste ist der Zusammenhalt.“

Landtagsvizepräsident Daniel Born, der Initiator der Talkreihe, nahm den Ball gleich zu Beginn des Gesprächs auf: „Stand Up steht auf meiner Playlist ganz oben!“ Welchen Song Brokowski-Shekete besonders liebt, wollte der Schwetzinger Abgeordnete wissen. „Last Christmas – das geht immer, auch im Sommer! Auch wenn es Leute manchmal irritiert.“

Irritation sei ein Phänomen, das sie begleite, fügte die Bestseller-Autorin hinzu – denn sie habe früh erlebt, wie es sich anfühlt, wenn man nicht in die Erwartung anderer passt. „Dass ich nicht erwartet werde, zieht sich wie ein roter Faden durch mein Leben.“ Brokowski-Shekete erzählte von ihrer behüteten Kindheit in Buxtehude und ihrem Umzug als Neunjährige in die nigerianische Millionenstadt Lagos. „Hier habe ich zum ersten Mal erlebt, was es heißt, ausgegrenzt zu sein und sich nicht zugehörig zu fühlen. Es lag nicht an der Hautfarbe, sondern an meiner Sozialisation.“

Nach drei Jahren voller Heimweh kehrte sie zu ihrer Pflegemutter zurück. Auslöser war ein Aufsatz zum Thema „Mein schönster Traum“, den sie in der Schule verfassen sollte. „Mein schönster Traum wäre es, nach Hause zu gehen“, schrieb sie. Ihre Lehrerin empfahl den Eltern, ihre Tochter wieder nach Deutschland zu schicken – das Argument besserer Bildungschancen überzeugte sie.

Mit dieser Entscheidung wurde der Grundstein für ihren außergewöhnlichen Werdegang gelegt. Heute ist Florence Brokowski-Shekete nicht nur Bestseller-Autorin und Schulamtsdirektorin, sondern auch eine gefragte Beraterin und Expertin für interkulturelle Kommunikation. Als Schulamtsdirektorin und Mitglied des 24. Landesschulbeirats Baden-Württemberg, ein Gremium, das die Landesregierung in bildungspolitischen Fragen berät, setzt sich Brokowski-Shekete für eine diskriminierungssensible Pädagogik und die Verankerung von Diversität im Bildungssystem ein. „Es darf nicht vom Engagement Einzelner abhängen, ob Schülerinnen und Schüler Rassismus erkennen und lernen, sich dagegen zu positionieren. Wir brauchen eine strukturelle Verankerung dieser Themen. Der Kampf gegen Rassismus gehört in ausnahmslos jedes Leitbild.“

Für SPD-Bildungsexperte Born, der seit 2016 dem Bildungsausschuss angehört, ist Bildungsgerechtigkeit eine zentrale Voraussetzung für eine starke Demokratie: „Bildungserfolg darf nicht von der Herkunft abhängen – weder von der sozialen noch von der kulturellen. Chancengerechtigkeit ist das Fundament unserer Demokratie.“ Dafür brauche es mehr als gute Absichten, unterstrich Born.: „Rassismus bekämpft man nicht mit Sonntagsreden, sondern mit konsequenten Maßnahmen. Es braucht Vorbilder und klare Regeln – im Schulsystem, in der Gesellschaft und in der Politik.“

Für Brokowski-Shekete ist Sichtbarkeit entscheidend: „Kinder und Jugendliche müssen sehen: Ah, das alles kann ich werden! Diese Wege stehen mir offen.“ Doch sie hat immer wieder erlebt, dass sie als Schwarze Frau unterschätzt wurde: „Ich wurde oft gefragt: ‚Sie sind wirklich Lehrerin? So richtig?‘ Und ich habe entgegnet: Wie kann man denn nicht richtig Lehrerin sein?“

In ihrem Podcast SchwarzWeiss, der für den „Emotion Award 2024“ in der Kategorie Diversity in Media nominiert wurde, spricht Brokowski-Shekete über Alltagsrassismus, Vielfalt und Identität. Ihr Anliegen: Schwierige Themen offen, ehrlich und mit einer guten Portion Humor ansprechen – nicht belehrend, sondern einladend zum Perspektivwechsel. „Mein Ziel ist, dass Menschen ins Gespräch kommen – über das, was nicht okay ist, aber auch über das, was verbindet“, betonte Brokowski-Shekete. Dabei greift sie immer wieder Debatten auf, die polarisieren – so auch die Frage nach kultureller Aneignung. „Meine Herkunft ist kein Kostüm“, stellte sie klar. Auf Vergleiche wie „Dann dürfen Chinesen auch keine Lederhosen tragen“ reagiert sie mit Kopfschütteln: „Lederhosen stehen nicht für ein unterdrücktes Volk.“

Ein Sinnbild für ihre Art des Dialogs brachte sie auch an diesem Abend aus ihrem People-Talk SCHWARZWÄLDER & BUTTERKUCHEN mit: „Als Norddeutsche liebe ich Butterkuchen – aber der süddeutsche Butterkuchen war eine Enttäuschung! Ganz im Gegensatz zur Schwarzwälder Kirschtorte.“ Zwei unterschiedliche Kuchensorten auf einem Teller – hell und dunkel – symbolisieren für sie die Vielfalt der Menschen und die Themen, die sie bewegen.

Dass sie komplexe Themen verbindlich und souverän, aber ohne Verbissenheit anspricht, zeichnete auch das Gespräch mit dem stellvertretenden Parlamentspräsidenten aus. Der Umgang mit Sprache spielte dabei eine zentrale Rolle zukam. „Die Gesellschaft verändert sich stark. Manche fühlen sich ermächtigt, Grenzen zu überschreiten und sagen: Jetzt erst recht, ich will nicht eingeschränkt werden. Andere wiederum suchen bewusst eine diskriminierungssensible und behutsame Sprache“, erläuterte Born und bat seinen Gast um ihre Einschätzung. Borokowski-Sheketes Botschaft war auch hier klar: „Fragen Sie! Trauen Sie sich, gerade wenn Sie unsicher sind.“

Ein besonders emotionaler Moment des Abends war Brokowski-Sheketes Schilderung ihrer Reaktion auf die Enthüllungen von Correctiv über ein rechtsextremes Geheimtreffen. „Ich war erschüttert. Da hatte ich das Gefühl: Hier fangen andere an, meine Koffer zu packen!“ Es sei das erste Mal gewesen, dass sie demonstrieren ging. „Und das hat mich sehr berührt: Da waren tausende Menschen, die sich für mich und all die anderen Menschen mit internationaler Biografie eingesetzt haben.“ Auch für den hiesigen Abgeordneten ein wichtiges und ermutigendes Signal: „Viele Menschen hatten auf den Demos das Bedürfnis zu zeigen: Ich lasse mein Land nicht vor die Hunde gehen! Rassismus bedroht nicht nur Einzelne – er bedroht uns alle, unsere Demokratie und unser Zusammenleben.“

Die Diskussion endete mit einer Frage, die Born besonders wichtig war: „Wie kann jeder den Unterschied machen?“ Die Kommunikationsexpertin antwortete mit einem klaren Aufruf: „Indem man Verbündete ist! Indem man den Mut hat, beizustehen.“ Oft hielten Menschen sich zurück, aus Angst, selbst in den Fokus zu geraten. Doch genau hier liege der Schlüssel: „Solidarität bedeutet, sich nicht wegzuducken.“ Und welchen Rat hat die Mutter Florence Brokowski-Shekete mit dem Wissen um eigene Diskriminierungserfahrungen ihrem Kind mit auf den Weg gegeben? „Mach dich nicht klein, wehre dich, hole dir Hilfe – du bist nicht allein.“

Mit diesen starken Botschaften ging der siebte Kurpfalz-Horizont zu Ende und bestätigte einmal mehr das Anliegen des Gastgebers: Raum für respektvollen Austausch und demokratische Dialoge zu schaffen.

Homepage Daniel Born MdL

Termine Gengenbach

hier finden sich die nächsten Termine in des Ortsvereins Gengenbach. Eine Übersicht aller Termine der umliegenden Ortsvereine findet sich unter Termine.

Der Rote Ortenauer

(Zeitung des SPD-Kreisverbands Ortenau)

Rotes aus der Ortenau

findet sich unter https://www.roter-ortenauer.de

Banner

Jetzt Mitglied werden Online spenden

WebSozis

30.03.2026 18:07 Nina Scheer zur Reaktivierung von Kohlekraftwerken
Eine verlängerte Nutzung von Kohlekraftwerken nach 2038 wäre weder notwendig noch sinnvoll Die Erneuerbaren sind die sauberste, sicherste und kostengünstigste Form der Erzeugung.  Es bedarf allerdings nun auch des entschlossenen Willens der Koalition und der federführenden Bundeswirtschaftsministerin, die gesetzlichen Hebel weiter auf eine systemische Umstellung zur Nutzung Erneuerbarer Energien zu stellen. „Eine verlängerte Nutzung von… Nina Scheer zur Reaktivierung von Kohlekraftwerken weiterlesen

25.03.2026 17:51 Jakob Blankenburg zum Klimaschutzprogramm
67 Maßnahmen, sieben Ministerien, ein Klimaschutzprogramm Die aktuelle Weltlage mit Konflikten, die sich massiv auf unsere Energieversorgung auswirken, zeigt eindeutig: Wir müssen schnell unabhängig von fossilen Energieträgern werden. Das heute von Bundesumweltminister Carsten Schneider vorgelegte Klimaschutzprogramm zeigt einen fairen Weg zur Erreichung der Klimaziele 2030 sowie für mehr Versorgungssicherheit auf. „Dieses Klimaschutzprogramm ist für die… Jakob Blankenburg zum Klimaschutzprogramm weiterlesen

25.03.2026 17:50 Eine notwendige strategische Perspektive für die Zukunft unseres Wirtschaftsstandorts
Ich begrüße die Impulse von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil ausdrücklich. Deutschland steht an einem Wendepunkt. Wir brauchen ein neues Wirtschaftsmodell: eines, das konsequent auf Innovation setzt, technologische Führerschaft ermöglicht und zugleich dafür sorgt, dass Wohlstand in der Breite der Gesellschaft ankommt. „Innovation und Gerechtigkeit sind die Grundlage für nachhaltiges Wachstum und breiten Wohlstand in Deutschland. Deshalb… Eine notwendige strategische Perspektive für die Zukunft unseres Wirtschaftsstandorts weiterlesen

11.02.2026 21:41 Dagmar Schmidt zum Behindertengleichstellungsgesetz
Barrierefreiheit nützt uns allen Die Bundesregierung treibt die Barrierefreiheit voran: Das Kabinett hat am Mittwoch eine Reform des Behindertengleichstellungsgesetzes auf den Weg gebracht. SPD-Fraktionsvizin Dagmar Schmidt spricht von einem wichtigen Schritt. „Der Gesetzentwurf zur Reform des Behindertengleichstellungsgesetzes bedeutet einen wichtigen Schritt hin zu einer inklusiveren Gesellschaft. Er stärkt die Rechte von Menschen mit Behinderungen und… Dagmar Schmidt zum Behindertengleichstellungsgesetz weiterlesen

11.02.2026 21:39 Stefan Zierke zur Entwicklung im Deutschlandtourismus
Rekord im Tourismus – Strategie, gute Arbeit und verlässliche Politik zahlen sich aus Stefan Zierke, tourismuspolitischer Sprecher: Der Deutschlandtourismus erreicht mit 497,5 Millionen Gästeübernachtungen einen neuen Rekord. Klare Strategie, engagierte Beschäftigte und verlässliche Politik sorgen für Wachstum, stärken die Betriebe und sichern gute Arbeit – für einen wirtschaftlich starken, sozial gerechten und nachhaltigen Tourismus in allen… Stefan Zierke zur Entwicklung im Deutschlandtourismus weiterlesen

Ein Service von info.websozis.de