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Born zu Besuch auf dem Gemüsehof Schmitt / Landwirtschaft ist starker Kraftfaktor in unserer Region

Veröffentlicht am 28.11.2024 in Wahlkreis

Hockenheim. „Die Landwirtschaft ist ein starker Kraftfaktor in unserer Region. Mir ist es seit meiner Wahl in den Landtag 2016 wichtig, immer im Gespräch mit den Landwirten zu bleiben“, erklärte Landtagsvizepräsident zu Beginn seines Vor-Ort-Besuchs auf dem Gemüsehof Schmitt in Hockenheim und ergänzte: „Dabei ist es mir wichtig, dass nicht nur Lob und Verständnis gegenseitig ausgetauscht wird, sondern ganz offen aktuelle Probleme angesprochen werden. Jeder, der mit offenen Augen an den Äckern vorbeifährt, sieht ein ganz konkretes Problem: die Schäden, die durch Krähen verursacht werden.“

„Ein Schaden von 74.800 Euro allein dieses Jahr und die meisten Maßnahmen sind auf Dauer sinnlos, weil die Vögel schlau und anpassungsfähig sind“, resümierte der Hockenheimer Landwirt Tobias Schmitt die Herausforderung, die sich für seine Kollegen und ihn durch die wachsenden Populationen von Saat- und Rabenkrähen ergeben. Schmitt, der den Hof im Siegelhain in vierter Generation führt, hat schon alles versucht, um die Tiere von seinen Kulturen fernzuhalten. „Selbstgebaute Vogelscheuchen oder Flatterbänder? Nach zehn Minuten sitzen sie drumherum und picken weiter.“ Die Schäden durch Saat- und Rabenkrähen haben in den vergangenen Jahren derart zugenommen, dass betroffene Landwirte wie Tobias Schmitt mittlerweile an ihre Belastungsgrenzen kommen.

Die Vögel, die sich in Schwärmen von bis zu 200 Tieren auf den Felder niederlassen, verursachen nicht nur unmittelbare Ernteverluste, indem sie Saatgut fressen und auf der Suche nach Insekten Keimlinge aus der Erde ziehen. Die Schäden ziehen einen Rattenschwanz an Problemen nach sich: Mehrfache Nachsaaten, zusätzliche Kosten für die Bodenbearbeitung, Unkraut, das in den Lücken besonders gut gedeiht. Wird nachgesät oder nachgepflanzt, ergeben sich unterschiedliche Erntezeitpunkte. „Bei einer Vegetationszeit von vier Wochen, wie beim Salat zum Beispiel, lohnt das Nacharbeiten gar nicht“, so Schmitt. „Mitunter laufen sie beim Nachsähen direkt hinter dem Traktor her,“ beschreibt Helmut Jäger, selbst Agrardiplom-Ingenieur und Kreisvorsitzender des Kreisbauernverbandes Karlsruhe, den Frust, der mit dieser Sisyphusarbeit für die Landwirte verbunden ist. Auch Folien und Hagelnetze zerstören die Krähen und picken Bewässerungsschläuche an.

„Die Landwirte bleiben nicht nur auf den Verlusten sitzen, sondern auch auf den Aufwendungen für Abwehrmaßnahmen und den Kosten, die sie haben, wenn die Ernte nicht an den Handel ausgeliefert werden kann, weil Früchte und Gemüse beschädigt und damit unbrauchbar werden“, erklärte Lydia Autenrieth vom Landesbauernverband in Baden-Württemberg. Sie fasste zusammen. „Die Schäden, die Krähen verursachen, übersteigen oft das, was die Betriebe auffangen können.“ Schmitt illustrierte, was das für ihn bedeutet: „Wenn zwei Salatköpfe in der Kiste Bissspuren aufweisen, wird die ganze Lieferung an Salaten, zum Beispiel ein ganzer LKW, zurückgewiesen.“

Noch in den 1980er-Jahren galt die Saatkrähe mit nur 500 Brutpaaren in Baden-Württemberg als stark gefährdet. Doch inzwischen hat sich ihre Population enorm vergrößert. Die Vögel profitieren unter anderem von einem guten Nahrungsangebot auch im Winter. Die Saatkrähe gehört in Deutschland zu den besonders geschützten Tierarten. Für Vergrämungsmaßnahmen können im Einzelfall Ausnahmegenehmigungen erteilt werden, um ernste wirtschaftliche Schäden zu verhindern. Jede Vergrämungsmaßnahme ist allerdings einzeln zu beantragen. „Die Bearbeitung nimmt nicht selten die Zeit in Anspruch, die uns bliebe, um rechtzeitig zu reagieren. Bis die Genehmigung da ist, ist der Schaden längst eingetreten“, erklärte Rolf Berger, Kreisgeschäftsführer der Kreisbauernverbände Karlsruhe und Rhein-Neckar.

Im Gegensatz zur Saatkrähe genießen Rabenkrähen keinen Schutzstatus. Sie werden in der aktuellen Auflage der Roten Liste bedrohter Tier- und Pflanzenarten als ungefährdet eingestuft. Außerhalb der festgelegten Schonzeit dürfen sie daher gejagt werden. Vielfach handelt es sich bei den Schwärmen aber um solche, in denen sich beide Arten mischen. Eine Bejagung, wenn sie gestattet wird, ist damit ein schwieriges Unterfangen. „Ein heikler Auftrag für den Jäger, der sich dieser Aufgabe annimmt“, so Berger. Trotz großer Anstrengungen sind die bisherigen Schutzmaßnahmen meist nicht nachhaltig. Schreckschusssysteme oder Schutznetze – die Krähen lernen schnell, sich daran anzupassen. Gebeiztes Saatgut ist ein Ansatz. „Aber die laufenden Versuche sind auch hier teils ernüchternd,“ zeigten sich die Vertreter des Bauernverbandes wenig optimistisch.

Eine der zentralen Forderungen der Landwirte und des Bauernverbands ist daher die Aufhebung der Schonzeiten für Rabenkrähen in Fällen drohender Schäden. Der Bauernverband schlägt außerdem vor, die Schadensabwehr durch die Saatkrähe per Rechtsverordnungen auf Landesebene oder Allgemeinverfügungen auf Kreisebene zu regeln. „Wir brauchen einen klaren Rechtsrahmen, der den Landwirten hilft, ihre Betriebe zu schützen“, erklärte Berger.

SPD-Politiker Born signalisierte seine Unterstützung. Der Landtagsabgeordnete betonte die Notwendigkeit, schnell pragmatische Lösungen zu finden. „Es darf nicht sein, dass unsere Landwirte alleine gelassen werden. Wir brauchen unbürokratische Wege, um die Belastungen durch die Saat- und Rabenkrähen zu reduzieren – ohne dabei den Naturschutz aus den Augen zu verlieren. Dabei geht es nicht nur um die Schadensregulierung. Denn die Landwirte bauen Nahrungsmittel nicht für Entschädigungszahlungen an, sondern für unsere Versorgungssicherheit.“

Er spreche sich klar für eine entsprechende Rechtsverordnung auf Landesebene aus, um Abhilfe zu schaffen: „Ich verstehe die Sorgen der Landwirte. Hier braucht es Realismus. Von den Erfahrungen der Pandemie bis hin zu den Einsichten, die uns Putins furchtbarer Krieg in Europa aufzwingt, müssen wir den Tatsachen ins Auge schauen: Wir müssen für uns selbst sorgen können. Und für diese Sicherheit ist die wertvolle Arbeit unserer Landwirtschaft elementar.“ Da könne es nicht sein, dass wertvolle Ernten von Krähen zerstört würden. „Mit einem klaren Rechtsrahmen wäre es möglich, dass Landwirte und Jäger optimal zusammenarbeiten können, um die Lebensmittel zu schützen. Das halte ich für dringend erforderlich“, so Born.

Homepage Daniel Born

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