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Badische Zeitung 18.10.2014, von Heidi Ossenberg

Veröffentlicht am 18.10.2014 in Pressemitteilungen

"Was ist unsere Arbeit wert?"

Es geht ums liebe Geld: Just an dem Tag, an dem ein mit Landespolitikern und Künstlern besetztes Podium im Freiburger Wallgraben-Theater über die Bedeutung von Privattheatern und deren finanzielle Situation diskutieren soll, setzt die grün-rote Landesregierung ein Zeichen: Am Freitagmorgen verkündet eine Pressemitteilung des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst, die institutionelle Förderung der Privattheater im Südwesten werde vom Haushaltsjahr 2015 an um rund 400 000 Euro jährlich erhöht.

"Das entspricht einer Steigerung um gut zehn Prozent von bisher rund 3,9 Millionen auf dann etwa 4,3 Millionen Euro", heißt es. In den Genuss der Landesförderung kommen derzeit 33 Privattheater – Bühnen mit eigener Spielstätte, regelmäßigem Spielbetrieb und hauptberuflichen Mitarbeitern, die seit mindestens fünf Jahren existieren und auch von ihrer Kommune institutionell gefördert werden.

Eines davon ist das Wallgraben-Theater, dessen Leitung in diesem Jahr das Festival der Privaten Theater Baden-Württemberg organisiert. In dessen Rahmen fand auch die Podiumsdiskussion mit dem Titel "Privattheater ist keine Privatsache" statt. War der Veranstaltung durch die Verkündigung der Fördererhöhung etwa schon vor Beginn der Wind aus den Segeln genommen? Mitnichten. Auf dem Podium saßen die kulturpolitischen Sprechern der Landtagsfraktionen CDU, Sabine Kurtz, der Grünen, Manfred Kern, der SPD, Helen Heberer, der künstlerische Leiter des Theaterensembles "Baal novo", Edzard Schoppmann, der künstlerischen Leiter des Wallgraben-Theaters, Hans Poeschl, der Freiburger Kulturbürgermeister Ulrich von Kirchbach und Kulturmanager Tom Schößler. Sie diskutierten munter unter der Moderation von BZ-Redakteurin Bettina Schulte – und zusätzlich angeregt durch ein fein differenziertes Impulsreferat von Schößler. Dieser nannte zunächst Zahlen: Obschon mit lediglich 20 Euro pro Zuschauer subventioniert, unterhalten die Häuser in privater Trägerschaft im Südwesten rund 900 000 Besucher jährlich; die öffentlichen Theater verzeichnen eine ähnliche Zahl an Besuchern, werden aber mit rund 120 Euro pro Zuschauer unterstützt. Trotz dieses gravierenden Unterschieds warnte Schößler vor einer Neiddebatte. Vielmehr müssten die Privattheater sich um ein Publikum der Zukunft bemühen und Netzwerke schmieden, um diese für Festivals, Gastspiele, Koproduktionen, gemeinsame Fördergelderanträge und Ressourcenpools zu nutzen. Die politischen Entscheidungsträger ermahnte Schößler, "adäquate Rahmenbedingungen" für die einzigartig vielfältige Privattheaterlandschaft in Baden-Württemberg zu schaffen, denn: "Privattheater ist auch kein Hobby."


Das konnten die Künstler auf dem Podium nur unterstreichen. Und obwohl Poeschl und Schoppmann sich dankbar zeigten für die avisierten 400 000 Euro, erneuerten sie ihre Forderung nach der sogenannten 2:1 Förderung. Dies würde bedeuten, dass das Land zu jedem Euro, mit dem die Kommune ein Privattheater unterstützt, 50 Cent dazugibt. "Dann müsste das Land 850000 Euro jährlich investieren", sagte Schoppmann.

Poeschl fragte die Landespolitiker ganz direkt: "Was ist Ihnen denn unsere Arbeit wert?" Er beklagte, dass die Basisfinanzierung derzeit nicht ausreiche und dass jegliche Projektförderung an Bedingungen geknüpft sei. Das wiederum sei der künstlerischen Freiheit abträglich, rücke den Fokus zu sehr auf die kulturelle Bildung und zu sehr weg von der ästhetischen Bildung. Von Kirchbach stimmte dem zu: "Erst muss die institutionelle Förderung erhöht werden, dann kann man über Projekte nachdenken."

Die drei kulturpolitischen Sprecher auf dem Podium zeigen sich grundsätzlich einsichtig; vor allem, als Schauspielerinnen aus dem Publikum ihre Sorge schilderten, künftig immer weniger anspruchsvolle Stücke auf die Bühnen bringen zu können, weil die Theater sich diese "nicht mehr leisten können". Auch von ihren prekären finanziellen Verhältnissen erzählten sie. Kern bekannte sich daraufhin zum "bedingungslosen Grundeinkommen für Künstler", Heberer appellierte an die künstlerischen Leiter, sich mit ihren Sorgen und Anregungen stärker an die zuständigen Landtagsabgeordneten zu wenden. Bettina Schulte nahm in ihrem Fazit den Gedanken vom Dialog zwischen Politikern und Künstlern auf – den passenden Rahmen dafür bietet das Privattheaterfestival in Freiburg.    

Homepage Helen Heberer | Politik muss menschlich sein.

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