Zufallsfoto

Antwort Bürgermeisterbrief 14.06.2016

Veröffentlicht am 08.07.2016 in Wahlkreis

Im Nachgang zur Bürgermeisterversammlung am 20. April 2016 erreichte Gunther Krichbaum, MdB (CDU) und mich am 14. Juni 2016 ein von Michael Schmidt (Neulingen, Bastian Rosenau (Engelsbrand) und Jörg-Michael Teply (Wurmberg) unterzeichneter Brief, welcher sich intensiv mit den aktuellen Herausforderungen der Zuwanderung befasst. Hier veröffentliche ich gerne die gemeinsam mit Gunther Krichbaum, MdB (CDU) verfasste Replik.

 

Ihr Schreiben vom 14. Juni 2016 zur Flüchtlingspolitik

 

Sehr geehrte Herren Bürgermeister,

vielen Dank für Ihr Schreiben vom 14. Juni 2016 zur aktuellen Flüchtlingspolitik. Auch wir haben unseren Austausch am 20. April als ausgesprochen konstruktiv in Erinnerung. Gerne stehen wir für einen weiteren regelmäßigen Dialog mit der Bürgermeisterversammlung zur Verfügung, weil im direkten Gespräch viele Themen detaillierter erörtert werden können als dies bei einem schriftlichen Austausch möglich ist. Zugleich möchten wir Ihnen, lieber Herr Schmidt, zum neuen Amt als Vorsitzender des Kreisverbandes Enzkreis des Gemeindetages Baden-Württemberg recht herzlich gratulieren. Wir sind uns sicher, dass wir auch unter Ihrem Vorsitz unsere gute Zusammenarbeit zum Wohle unserer Region fortsetzen werden.

Nach unserer Diskussion in Wurmberg hatten wir den Eindruck, dass uns das gemeinsame Ziel eint, die vielfältigen Herausforderungen, die durch die Flüchtlingsbewegung des letzten Jahres entstanden ist, nachhaltig und in enger Abstimmung zwischen Bund, Ländern und Kommunen anzugehen. Auch bei uns im Enzkreis engagieren sich Bürger und Verwaltung seit nunmehr fast einem Jahr tagtäglich ganz außerordentlich. Daher waren wir etwas überrascht, zwei Monate später ein Schreiben zu erhalten, das eher den Diskussionsstand des letzten Herbsts widerspiegelt. Die ganz erheblichen Anstrengungen der Bundesregierung für eine gemeinsame europäische Lösung zur Begrenzung der Flüchtlinge und das große finanzielle Engagement auf Bundesebene finden wir dagegen nicht ausreichend gewürdigt.

Daher können wir nur noch einmal betonen, dass der Bund, die Städte und Gemeinden ganz sicher nicht „im Regen stehen“ lässt, sondern selbstverständlich auch weiterhin bereit ist, einen Großteil der Kosten zu übernehmen. Anfang Juni haben die Bundesregierung und die Ministerpräsidenten der Länder intensiv über die Zukunft der Bund-Länder-Finanzbeziehungen beraten. Zu den Fragen der Kosten für unbegleitete Jugendliche und die allgemeinen Integrationskosten konnten noch keine Ergebnisse vereinbart werden, dies soll bei einer nächsten Runde am 8. Juli 2016 geschehen. Mit diesem Integrationsgesetz werden neben aufenthaltsrechtlichen Fragen vor allem auch Fragen des Spracherwerbs, der Ausbildung und der Arbeitsaufnahme geregelt. Hierbei geht es auch um die Bedeutung des ehrenamtlichen Engagements. Vor allem für Baden-Württemberg, wo knapp 50 Prozent aller Bürgerinnen und Bürger ein Ehrenamt bekleiden ist dies eminent wichtig. Denn nur durch diese gemeinsame Kraftleistung gelingt es uns, die Herausforderung der Integration zu bewältigen. Wichtig ist, dass wir bei allen organisatorischen und finanziellen Herausforderungen die Fehler der Gastarbeitergeneration nicht wiederholen. Im Gegenteil: Wir müssen alles dafür tun, Menschen schnell zu integrieren.

Der Bund hat darüber hinaus bereits zugesagt, 2016-2018 die Kosten für die Unterbringung der Flüchtlinge vollständig zu übernehmen. Das entlastet die Städte und Gemeinden 2016 um zusätzlich 400 Millionen Euro, um 900 Millionen Euro im kommenden Jahr und um 1,3 Milliarden Euro im Jahr 2018. Der Zuschuss beträgt damit insgesamt für die drei Jahre 2,6 Milliarden Euro. Der Bund stellt sich also seiner Verantwortung für die Unterbringung der Flüchtlinge und auch bei den Integrationskosten wird es zu einer hohen Kostenbeteiligung aus dem Bundeshaushalt kommen. Allerdings müssen auch die Länder ihren fairen Anteil an dieser gesamtgesellschaftlichen Aufgabe übernehmen. Wir hoffen sehr, dass am 8. Juli hierzu die entsprechenden Beschlüsse gefasst werden können, damit alle Beteiligten Planungssicherheit erhalten. Dies ist auch für uns im Deutschen Bundestag wichtig, weil wir im September mit den Beratungen zum Bundeshaushalt 2017 beginnen werden.

Zugleich übersenden Sie uns die Forderungen des Gemeindetags Baden-Württemberg zur Flüchtlingsunterbringung und zur Förderung des sozialen Wohnungsbaus. Viele dieser Forderungen wurden bereits aufgegriffen. So wurde schon im letzten Jahr das Bauplanungsrecht geändert, damit der Bau mobiler Behelfsunterkünfte grundsätzlich in allen Baugebieten und im Außenbereich bis zum 31.12.2019 möglich ist. Zudem wurden die Umnutzung bestehender Gebäude vereinfacht und Standardabweichungen im Energieeinsparrecht zugelassen. Um den Kommunen darüber hinaus mehr Spielraum bei der Ausweisung von zusätzlichem Bauland zu gewähren, wird derzeit im Bundesbauministerium ein Gesetzesentwurf erarbeitet, der mit dem „urbanen Gebiet“ eine neue Baugebietskategorie einführen wird. In ihm werden Abstandsflächen und Lärmschutzanforderungen reduziert. Ziel ist es, gerade im innerstädtischen Bereich Brachflächen stärker als bislang möglich für den Wohnungsbau zu nutzen und bereits bebaute Grundstücke zu verdichten. Darüber hinaus hat das Bundesbauministerium eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die sich verstärkt in die Erarbeitung der DIN-Normen einbringen soll, um auf kostentreibende neue Baustandards bereits im Vorfeld Einfluss nehmen zu können. Zudem wird gezielt das serielle Bauen für ansprechenden und günstigen Wohnraum forciert und hierbei die Energie-Einsparverordnung und Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz geprüft und neu konzipiert.

Wie Sie sicher wissen, steht das Bauordnungsrecht in der ausschließlichen Gesetzgebungskompetenz der Länder. Das macht die Einführung bundesweiter Standards, die zu erheblichen Kosteneinsparungen im modularen Bauen führen könnten, schwerer. Der Bund bemüht sich daher derzeit um die gemeinsame Erarbeitung einer Musterbauordnung, um diese Kostenvorteile nutzen zu können. Zugleich stellt der Bund Grundstücke für Flüchtlingsunterkünfte mietzinsfrei zur Verfügung und hat zudem die Überlassung von Flächen der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) für den sozialen Wohnungsbau erheblich verbessert. Um den sozialen Wohnungsbau zu fördern, hat der Bund zudem seine Kompensationsmittel bis 2019 verdoppelt. Nun ist es an den Ländern, dieses Geld zweckgerichtet auszugeben und durch eigene Mittel zu verstärken. Darüber hinaus berät die Koalition derzeit über steuerliche Anreize für den Wohnungsbau, allerdings besteht hier zwischen unseren Parteien noch Abstimmungsbedarf. Diese Beispiele zeigen, dass „Berlin“ die Hände keinesfalls in den Schoß legt.

Abschließend sprechen Sie zudem die sog. „Residenzpflicht“ an, die es schnellstmöglich umzusetzen gelte. Damit meinen Sie vermutlich die Wohnortzuweisung für anerkannte Flüchtlinge. Diese können sich bislang im gesamten Bundesgebiet frei niederlassen. Derzeit wird in Berlin der Entwurf des „Integrationsgesetzes“ beraten. Dieser sieht u.a. vor, nunmehr auch anerkannten Flüchtlingen einen Wohnort zuweisen zu können, sofern diese ihren Lebensunterhalt nicht selbst bestreiten. Auch wenn wir die Härten, die damit für die Flüchtlinge verbunden sein können, keinesfalls übersehen. Wir hoffen sehr, dass die parlamentarischen Beratungen zügig abgeschlossen werden, damit die Länder über entsprechende Wohnsitzauflagen rasch verfügen können.

Dass die Gemeinden der „Ort der Wirklichkeit“ sind, erleben wir an jedem Wochenende und in jeder Woche, in der keine Sitzungen des Bundestages in Berlin stattfinden. Wir leben mit unseren Familien in Keltern und Pforzheim und daher ist uns das weder fremd noch neu. Bei aller Schärfe, die manchmal in politischen Diskussionen entstehen kann, sollten wir vermeiden, dem Gegenüber sein ehrliches Bemühen, seine Sachkenntnis und sein Engagement abzusprechen. In diesem Sinne hätte es uns gefreut, wenn Sie auf den letzten Satz Ihres Schreibens verzichtet hätten.

 

Mit freundlichen Grüßen

Gunther Krichbaum

Katja Mast

Homepage Katja Mast MdB

Termine Gengenbach

05.07.2026, 17:00 Uhr - 19:00 Uhr
öffentlich
Fairtrade Gengenbach: Ernteschätzspaziergang auf den Streuobstwiesen
Gengenbach „Römerbad“ am Ziegelwaldsee

Alle Termine

hier finden sich die nächsten Termine in des Ortsvereins Gengenbach. Eine Übersicht aller Termine der umliegenden Ortsvereine findet sich unter Termine.

Der Rote Ortenauer

(Zeitung des SPD-Kreisverbands Ortenau)

Rotes aus der Ortenau

findet sich unter https://www.roter-ortenauer.de

Banner

Jetzt Mitglied werden Online spenden

WebSozis

07.06.2026 19:19 Christos Pantazis zur Reform der Pflegeversicherung
Stabilisierung der Pflegeversicherung muss solidarisch sein Ohne fairen Ausgleich zwischen sozialer und privater Pflegeversicherung bleibt die Finanzkrise der Pflege ungelöst. „Der Entwurf enthält wichtige Ansätze zur Verbesserung der Versorgung pflegebedürftiger Menschen. Die stärkere Ausrichtung auf Prävention und Rehabilitation, die Unterstützung pflegender Angehöriger sowie Maßnahmen zur Entbürokratisierung gehen grundsätzlich in die richtige Richtung. Die zentrale Antwort… Christos Pantazis zur Reform der Pflegeversicherung weiterlesen

03.05.2026 15:23 Martin Rabanus zum Tag der Pressefreiheit
Tag der Pressefreiheit: Wir schützen Journalist:innen und stärken die Medienvielfalt. Martin Rabanus, kultur- und medienpolitischer Sprecher: Am Tag der Pressefreiheit zeichnet sich eine desolate Entwicklung für Journalist:innen weltweit ab. Die SPD-Bundestagsfraktion fordert deshalb konsequenten Schutz und eine Digitalsteuer, die den Medienstandort Deutschland und Europa sichert. „Am Tag der Pressefreiheit geht es um mehr als um… Martin Rabanus zum Tag der Pressefreiheit weiterlesen

01.05.2026 15:23 Armand Zorn zum Tankrabatt
Wir entlasten schnell und spürbar Über die befristete Senkung der Energiesteuer ist es möglich, sehr schnell jene spürbar zu unterstützen, die es dringend brauchen. Jetzt kommt es darauf an, dass die Mineralölkonzerne die Steuersenkung an die Verbraucher:innen weitergeben und die Preise entsprechend senken. Mit der weiteren Schärfung des Kartellrechts muss rasch der dritte Teil unseres… Armand Zorn zum Tankrabatt weiterlesen

27.04.2026 15:26 Zum Tag der Arbeit: SPD-Spitze an der Seite der Gewerkschaften
Die SPD ruft zur Teilnahme an den diesjährigen Kundgebungen des DGB zum Tag der Arbeit am 1. Mai auf. Ganz im Sinne des diesjährigen Mottos „#GEMA1NSAM – Für gute Arbeit“ kämpft die SPD an der Seite der Gewerkschaften für eine Entlastung der Beschäftigten und eine sichere Rente, für mehr Tarifbindung, einen höheren Mindestlohn und eine… Zum Tag der Arbeit: SPD-Spitze an der Seite der Gewerkschaften weiterlesen

30.03.2026 18:07 Nina Scheer zur Reaktivierung von Kohlekraftwerken
Eine verlängerte Nutzung von Kohlekraftwerken nach 2038 wäre weder notwendig noch sinnvoll Die Erneuerbaren sind die sauberste, sicherste und kostengünstigste Form der Erzeugung.  Es bedarf allerdings nun auch des entschlossenen Willens der Koalition und der federführenden Bundeswirtschaftsministerin, die gesetzlichen Hebel weiter auf eine systemische Umstellung zur Nutzung Erneuerbarer Energien zu stellen. „Eine verlängerte Nutzung von… Nina Scheer zur Reaktivierung von Kohlekraftwerken weiterlesen

Ein Service von info.websozis.de