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Bericht zu Grundschule der Zukunft

Angeregte Online-Diskussion in Gengenbach über Grundschule der Zukunft

SPD-Landtagsabgeordneter Born: „Ungewöhnliche Zeiten erfordern neue Wege“

Ende letzten Jahres zeichnete sich in Gengenbach ab, dass die Schülerzahlprognose für die Grundschule stark ansteigt und im Jahr 2025/26 mit mindesten 100 Grundschülern mehr zu rechnen ist. Und es war klar, dass diese Situation im aktuellen Gebäudebestand der Grundschulen nicht zu bewältigen ist. Dazu kommen der Sanierungsrückstand und die Standortdiskussion im Bereich der Gengenbacher Grundschulen. Es besteht dringender Handlungsbedarf.

Sanierungsrückstand und Standortdiskussion beschäftigen den Stadtrat schon lange. Aus unterschiedlichen Gründen mussten diese Themen jedoch immer wieder verschobenen werden. Denn beide Probleme sind nicht unabhängig voneinander zu lösen. Eine Sanierung muss gewährleisten, dass die Grundschulen für langfristig zu erwartende Anforderungen und mögliche zukünftige Grundschulkonzepte ausgestattet sind. Die Option alle vier derzeitigen Grundschulstandorte gleichzeitig zu sanieren ist sowohl organisatorisch als auch finanziell für Gengenbach nicht leistbar.

Darüber hinaus ist der zukünftige Weg der Grundschulpädagogik nicht eindeutig festgelegt.  Konzepte verändern sich, die Anforderungen der Eltern an Betreuungszeiten steigen. Der klassische Frontalunterricht wird in Zukunft nur noch eine von vielen Unterrichtsformen sein, die zum Einsatz kommen. Die Diskussion und die Entscheidung über die Anzahl der Standorte und ob Sanierungen oder Neubauten der sinnvollste Weg sind, kann dem Gemeinderat nicht abgenommen werden. Doch da die zu fällenden Entscheidungen langfristig prägend für Gengenbach und die Ortsteile sind, braucht es Informationen und fundierte Diskussionen im Vorfeld.

Um zu erfahren was im Landtag zum Thema Grundschule besprochen wird, wie die Fraktionen das Thema sehen und ob es schon Gemeinden gibt, von denen man lernen kann, hat die SPD-Fraktion und der SPD-Ortsverein Gengenbach Daniel Born, MdL, eingeladen. Der SPD-Sprecher für frühkindliche Bildung und Grundschulen sollte in Gengenbach über das Thema „Grundschule der Zukunft“ sprechen.

Geplant war eine klassische politische Informations- und Diskussionsveranstaltung für den Abend des 3.4.2020. Doch Mitte März war klar: In dieser Form kann der Abend nicht gestaltet werden. Für das Veranstaltungsteam der SPD in Gengenbach kam es aber nicht in Frage, diesen Abend einfach ausfallen zu lassen.

„Das Thema ‚Grundschule der Zukunft‘ ist zu wichtig und dringend für Gengenbach, als dass wir das nun einfach nur absagen. In den nächsten Monaten ist der Kalender des Abgeordneten dann zu voll, um einen Termin für eine Verschiebung zu finden. Uns läuft die Zeit für die Diskussionen und Abwägungen davon. Wenn Daniel Born nicht kommen kann und sich die Bürger nicht treffen dürfen, dann machen wir eben ein Webinar.“ meinte dazu Andrea Ahlemeyer-Stubbe, 1. Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Gengenbach.

Daniel Born nahm diese Möglichkeit gerne wahr. „Die Arbeit im Landtag geht zwar über Videokonferenzen weiter – aber die Vor-Ort-Termine sind auf Null gefahren. Umso schöner ist es, dass wir per Webinar/Videokonferenz miteinander über die Politik von morgen diskutieren können. Diese für uns alle ungewöhnlichen Zeiten erfordern eben neue Wege und diese haben manchmal auch etwas Gutes.“

Am Abend des 3.4.2020 diskutierten Daniel Born und gut 25 Interessierte, darunter Schulleitungen und Gemeinderät*innen, online über die Anforderungen an die Grundschule der Zukunft und wie sich diese auf die Schulbauten auswirken: Welche räumlichen Bedarfe haben Ganztags-Grundschulen? Wie kann die Inklusion erfolgreich im Schulalltag umgesetzt werden? Welche Herausforderungen bringt die Digitalisierung für Schulen mit sich? Wie können individuelle Lernformen für die heterogene Schülerschaft durch Raumkonzepte unterstützt werden? Wie kann der Übergang zwischen der Kita und der Grundschule für alle gewinnbringend gestaltet werden?

Am Beispiel der der Alemannenschule Wutöschingen und der Ernst-Reuter-Schule Karlsruhe stellte der Grundschulexperte den „Raum als dritten Pädagogen“ vor. Dabei forderte er, dass die Infrastruktur der Pädagogik folgen müsse und nicht umgekehrt.  Born zeigte sich beeindruckt von den Erfahrungen, die er bei seinen Schulbesuchen im ganzen Land gesammelt hat. Vor allem, dass neue Lernformen in vielen Grundschulen bereits gelebt und nicht nur ausprobiert werden. Vielerorts stimmten die Rahmenbedingungen dafür aber nicht. Die grün-schwarze Landesregierung verschlafe diese Entwicklungen, genau wie die Digitalisierung, was sich gerade in diesen Zeiten besonders deutlich zeige. Die Landespolitik müsse endlich die Realität anerkennen und die Lehrkräfte unterstützen.

Beim Thema Ganztagsschule sprach sich Born für die rhythmisierte Ganztagsschule aus. Sie sei nicht nur ein Beitrag für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, sondern auch ein qualitativ hochwertiges pädagogisches Konzept. Was am besten passe, müsse jeweils vor Ort entschieden werden, immer mit dem Fokus auf die Chancen dieser Schulform für Kinder und Familien.

Im Lauf der Diskussion wurde angesprochen, dass auch die anregendste Lernatmosphäre und Raumgestaltung nicht helfen, wenn Unterricht aufgrund der schlechten Lehrerversorgung nicht stattfinden kann. Daniel Born hob hervor, dass die Grundschule nicht nur die Vorstufe zur weiterführenden Schule, sondern eine eigenständige und „sehr demokratische“ Schulart sei. In der Grundschule kommen alle Kinder unserer Gesellschaft zusammen und hier werden die wichtigen Grundlagen für die gesamte Bildungslaufbahn gelegt. Deshalb fordere er, dass die Landesregierung die Stellenstreichungen zurücknehmen und die Studienplatzkapazitäten für das Grundschullehramt ausbauen müsse.

Wie ein „normaler“ Gesprächsabend dauerte die Online-Diskussion gute zwei Stunden. Nur einmal gab es einen kurzen technischen Aussetzer. Ansonsten war es für alle Teilnehmer möglich, zunächst Daniel Borns Vortrag zuzuhören und danach mit ihm zu diskutieren.

„Aus dem Kreis der Teilnehmer haben wir nur positive Rückmeldungen bekommen“, freut sich Andrea Ahlemeyer-Stubbe. „Wir konnten viel für unsere Diskussionen in der Fraktion und im Gemeinderat mitnehmen.“

Daniel Born sparte sich Zeit und etliche Zugkilometer, indem er den Abend von seinem Wohnzimmer in Schwetzingen aus leiten konnte. Sein Fazit: „Nichts, aber auch gar nichts ersetzt den persönlichen Kontakt. Erst recht keine Kamera. Aber in diesen schweren Zeiten müssen wir weiter als Demokratinnen und Demokraten diskutieren und die Zukunft im Blick behalten. Und darum ist so ein Format besser als eine Absage.“

 

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