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Die Freitagspost: Von Wundern auf einer Dachterasse

Veröffentlicht am 18.06.2021 in Woche für Woche

In der heutigen Freitagspost berichtet Daniel über die aktuellen Entwicklungen in Israel und über seine persönlichen Erfahrungen, die er vor einigen Jahren vor Ort sammeln konnte.

Von David Ben-Gurion stammt das Zitat: „Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist.“

Vor einigen Jahren konnte ich bei einer Israel-Reise dabei sein, die unser damaliger Bundestagskandidat Stefan Rebmann organisiert hatte. Auf dieser Reise sind Freundschaften entstanden, die so tief und fest sind – auch wenn man sich manchmal Monate nicht sieht – dass allein schon dies einem Wunder gleichkommt.

Einer der eindrücklichsten Momente der Reise war der Besuch im Willy-Brandt-Center in Jerusalem. Es wurde 1996 als Zentrum der Begegnung und Verständigung zwischen jungen Menschen aus Israel, den palästinensischen Autonomiegebieten und Europa ins Leben gerufen. Heute dient es für viele zivilgesellschaftliche Kräfte, Jugendorganisationen, Gewerkschaften und friedensorientierte Parteien als wichtiger Ort des Dialogs. Träger des WBC ist der Willy-Brandt-Zentrum e.V. mit Sitz in Berlin als Mitgliedsorganisation im Forum Ziviler Friedensdienst.

Und es ist gut mit dem Willy-Brandt-Center in Kontakt zu stehen, denn die Menschen die dort arbeiten sind Experten, was die politische und gesellschaftliche Situation in Nahost betrifft.

Wir haben als Landtags-SPD diesen Kontakt genutzt und uns über die aktuelle Lage im Nahen Osten informiert. Im Zuge der wöchentlichen Fraktionssitzung berichtete Christopher Paesen vom Willy-Brandt-Center von den Auswirkungen der kriegerischen Auseinandersetzungen der vergangenen Wochen und der politischen Lage in Israel.

Die Gewalt der vergangenen Wochen im Nahen Osten hat wie immer viele unbeteiligte Opfer auf beiden Seiten gefordert. Mit großer Sorge haben wir auch die zunehmend gewalttätigen Ausschreitungen in verschiedenen israelischen Städten und Ortschaften und im Westjordanland verfolgt. Es ist wichtig, dass die Spirale der Gewalt, die nur zu mehr Leid und Zerstörung führt, dauerhaft durchbrochen wird.

Aus Sicht des Nahost-Experten Paesen ist eine zügige politische Lösung des Konflikts nötig, um weitere Gewalteskalationen zu vermeiden. „Dabei kommt es schon sehr auf die Europäische Union und gerade auch auf Deutschland an. Den Israelis ist klar, dass sie mit den Deutschen einen verlässlichen Ansprechpartner haben. Und das ist sehr viel wert, weil man damit sehr viel bewegen kann. Deshalb ist die deutsche Politik gut beraten, dies so auch weiter fortzusetzen“, so Paesen in unserer Fraktionssitzung.

Es ist in unser aller Interesse, dass alle Seiten wieder direkte Gespräche zur Überwindung des Nahostkonflikts führen. Dass die Ereignisse in Israel und Gaza als Vorwand für Hass und Hetze auch in Baden-Württemberg genutzt wurden, ist inakzeptabel. Keine engagierte Meinung zum Nahostkonflikt, keine Kritik an der Politik der israelischen Regierung rechtfertigt irgendein Vorgehen gegen Menschen jüdischen Glaubens in unserem Land. Niemals!

Wenn es nun eine neue israelische Regierung gibt – in der ultrarechte Kräfte eine gewichtige Rolle spielen, aber auch die Chance genutzt wird, eine Partei der arabischen Bevölkerungsgruppe an der Regierung zu beteiligen – kann dies auch die Chance für einen Neuanfang im Friedensprozess sein.

Frieden ist kein Wunder. Frieden ist harte Arbeit, Kompromiss, Verlässlichkeit, solidarisches Handeln, Diplomatie. Für diese Erkenntnis steht wohl kein Name auf der Welt so wie der von Willy Brandt. Aber die Grundlage dafür, jemanden zu finden, der auch Frieden will, der zuhört, dem man zuhört - wenn Bereitschaft da ist, sich Vertrauen zu schenken. Das ist vielleicht schon ein Wunder.

Die Dozentin vom Willy-Brandt-Center berichtete bei unserem Besuch, dass diese Wunder manchmal auf der Terrasse des Centers geschehen. Man hat von dort einen einzigartigen Blick auf die Altstadt von Jerusalem. Und bei den Seminaren und Workshops stehen da dann israelische und palästinensische Jugendliche und unterhalten sich. Nicht über Krieg und Politik. Und auch nicht darüber wer wem etwas weggenommen hat. Sondern über ihre Ausbildung, über ihren Beruf, was sie sich vom Leben wünschen. Man spürt in dem Moment, dass wenn Frieden entstehen soll, sie noch über viel mehr reden müssen: welche Verletzungen man hat, wie viele Bombennächte voller Angst, welche Verluste in der eigenen Familie. In Israel und Palästina gibt es viele Menschen, die diesen Weg gehen wollen. Wir hören in den Nachrichten nicht so oft von ihnen. Aber es gibt sie. Das wären die Menschen, die ein Wunder real machen würden.

Foto der Woche: Am Montag war ich zu Gast bei Kenners Montagsrunde. Die Talkrunde mit Musik kann man sich bei YouTube anschauen.

Homepage Daniel Born

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